Florian Amort

Die Rezeption von Domenico Cimarosa und seiner Oper "Il matrimonio segreto" im deutschsprachigen Raum zwischen 1792 und 1901 (Arbeitstitel)

In meinem Dissertationsprojekt erforsche ich die wechselhafte theatralische, publizistische und musikwissenschaftliche Rezeption einer der erfolgreichsten Opere buffe der Musikgeschichte: Domenico Cimarosas Il matrimonio segreto. Schon kurz nach der Uraufführung 1792 im alten Burgtheater in Wien setzten sie die wichtigsten Theater auf ihre Spielpläne. Übersetzungen in acht verschiedene Sprachen zeugen von europaweitem Erfolg, der Cimarosas Position als einen der bedeutendsten und wirkmächtigsten Komponisten festigte. 100 Jahre später hatte sich jedoch sein Status im deutschsprachigen Raum grundlegend geändert. Il matrimonio segreto war zwar zusammen mit den Da-Ponte-Opern Mozarts die einzige Opera buffa des 18. Jahrhunderts, die im Repertoire geblieben ist. Allerdings war sie nur noch Musikwissenschaftler*innen und Kennern von Opere buffe ein Begriff.

Wie konnte das geschehen? Oder – anders gefragt – warum ist diese Oper überhaupt länger als andere ihrer Gattung im Repertoire geblieben? Ausgehend von diesen Fragestellungen erforsche ich in mehreren Fallstudien die spezifischen Phänomene von Transfer, Transformation und Wertung, die mit dieser Oper im Kontext der Opernpraxis, der Opernkultur und des Nationalismus im 19. Jahrhundert zusammenhängen. Um die vielfältigen Rezeptionsmechanismen adäquat und interdisziplinär erforschen zu können, verfolge ich, analog zu den verschiedenen Rezeptionsmodi, disparate methodische Ansätze: von textphilologischen Methoden über die Rekonstruktion einer Cimarosa-Ausstellung bis hin zu neuen Ansätzen aus der Translationswissenschaft, der Kanonforschung, der Erinnerungskulturforschung und der Historiographieforschung.

Dissertationsgebiet: Musikwissenschaft

Betreuung: Univ.-Prof. Dr. Michele Calella

email: florian.amort@univie.ac.at

Pauli Aro

Vom Abschub zum privilegierten Flüchtling. Das Problem der „Volksdeutschen“ in Österreich, 1945 – 1955

Bei Ende des Zweiten Weltkrieges befanden sich auf dem Boden der heutigen Republik Österreich gut 1.6 Millionen Flüchtlinge. 430.00 davon wurden als „Volksdeutsche“ bezeichnet – deutsche MuttersprachlerInnen aus Ländern wie der Tschechoslowakei, Ungarn, Jugoslawien, Polen, Rumänien, Bulgarien, der Sowjetunion und den baltischen Staaten. Diese deutschsprachigen Staatenlosen waren während des Krieges umgesiedelt worden, vor der heranrückenden Roten Armee geflohen oder wurden als Konsequenz der nationalsozialistischen Eroberungspolitik aus den befreiten Staaten Zentral- und Südosteuropas vertrieben. Aufgrund administrativer Rahmenbedingungen, aber auch durch ein sich herausformendes Gruppenselbstverständnis, hebt sich die Geschichte der „Volksdeutschen“ von der anderer Flüchtlingsgruppen in Nachkriegsösterreich ab. Drei Aspekte sollen dabei in der Dissertation im Vordergrund stehen:

Zunächst gilt es nicht nur Flucht und Vertreibung von „Volksdeutschen“ nach Österreich, sondern auch deren partiellen Abtransport aus Österreich im Rahmen des Potsdamer Abkommens als Aspekte verschiedener, den europäischen Nachkriegskontext prägender Politiken der „ethnischen Säuberung“ zu verstehen.

In weiterer Folge soll die Rekonstruktion administrativer Maßnahmen zeigen, wie drastisch sich innerhalb von zehn Jahren der Umgang mit „volksdeutschen“ Flüchtlingen in Österreich änderte. Aus institutioneller Gleichgültigkeit – sogar die Flüchtlingsorganisationen der UNO betrachteten „Volksdeutsche“ anfangs als Ex-enemy-nationals – wurde eine Politik der exklusiven Integration „volksdeutscher“ Flüchtlinge in Österreich. Dies unterschied sie von jüdischen oder slawischen (Nach-)Kriegsflüchtlingen.

Schließlich soll sich die Dissertation Phänomenen von Gruppenkonstruktion und Stereotypenbildung widmen. Diese Diskussionen prägten nicht nur die administrativen Maßnahmen gegen oder für „Volksdeutsche“ in Österreich. Sie wurden auch von den sich allmählich formierenden Vertriebenenverbänden aktiv betrieben.

Auf diese Weise soll in der Dissertation nicht nur das sich wandelnde Bild der „Volksdeutschen“ in Österreich nachgezeichnet, sondern auch die Stabilität oder Durchlässigkeit des Österreich-Konzepts des ersten Nachkriegsjahrzehnt sichtbar gemacht werden.  

Dissertationsgebiet: Geschichte

Betreuung: Univ.-Prof. Dr. Philipp Ther, MA

email: pauli.aro@univie.ac.at

Thomas Assinger

Poesie als Wissenschaft im frühen 18. Jahrhundert

In various poetological treatises of the late 17th and the early 18th century poetry is profiled as a specific form of scholarship (Wissenschaft) and academic practice. Taking account of these sources, the dissertation project has its main goal in the reconstruction of the discursive formation that enables such a conception of poetry. Therefore the investigation distinguishes between four main aspects: institutions, techniques, genres and concepts. These distinctions should help analyse and describe different levels of the research topic complementarily. Thus, the project contributes to the study of literature and scholarship in the early period of German Enlightenment, when the specifically modern functional differentiation of the two realms in the decades around 1800 is not yet implemented. Finally, on the basis of the historical argument there may, in turn, be established a useful perspective on recent debates on the history and relations of literature, knowledge and scholarship.

Dissertationsgebiet: Deutsche Philologie

Betreuung: a.o. Univ.-Prof. Dr. Franz Eybl, Univ.-Prof. Dr. Annegret Pelz

email: thomas.assinger@univie.ac.at

Judith Benedix

Früh- bis hochmittelalterliche Bestattungen in einem Grenzgebiet - Die Habitus-Feld-Theorie als thanatoarchäologisches Konzept zur Analyse der Bestattungspraxis

Die Dissertation setzt sich mit der Frage auseinander, ob und in welcher Intensität unterschiedliche ethnische, politische, kulturelle und religiöse Rahmenbedingungen in der früh- bis hochmittelalterlichen (7. – frühes 11. Jh.) Bestattungspraxis manifest werden. Dazu werden die Bestattungssitten im Thaya-March-Grenzgebiet über räumliche, zeitliche und ethnische Labels hinweg, basierend auf einer theoretisch fundierten Analyse, untersucht.

In den letzten Jahrzehnten wurden in der Archäologie neue Strömungen aus Anthropologie und Soziologie aufgenommen, die auch zu einer Integration von handlungstheoretischen Ansätzen in der archäologischen Forschung führten. Durch handlungstheoretische Ansätze (z. B. Habitus-Feld-Theorie) wird ein neuer Zugang zu archäologischen Quellen gewonnen. Dadurch kann die Bestattungspraxis als eigenständiges soziales Feld begriffen und somit ein neues analytisches Werkzeug gewonnen werden.

Folgende Ziele werden verfolgt: Es werden über eine grabbasierte Analyse der materiell fassbaren Bestattungspraktiken gräberfeldspezifische Strukturen herausgearbeitet sowie jene Faktoren (z.B. Alter, Geschlecht etc.) bestimmt, die für deren Herausbildung verantwortlich sind. Des weiteren werdem durch eine Inter-Site-Analyse der gräberfeldinternen Strukturen Erkenntnisse in Bezug auf großräumige Einflussfaktoren (u.a. Mährisches vs. Karolingerreich) gewonnen. Dabei stehen insbesondere zwei Fragen im Vordergrund: Welche großräumigen Einflussfaktoren lassen sich anhand der Bestattungspraxis verorten? Bei welchen Gruppen innerhalb der Gräberfelder ist dieser Einfluss gegebenenfalls spürbar?

Dissertationsgebiet: Urgeschichte und Historische Archäologie

Betreuung: Prof. Dr. Claudia Theune-Vogt

email: judith.benedix@univie.ac.at

Elias Berner

Soundtrack der Shoah ? Gedenken, Provokation oder Trost

Die Verfilmung der Shoah wird disziplinübergreifend seit vielen Jahren diskutiert. Durch das Sterben der ZeitzeugInnen wird fiktionalen Filmen, insbesondere für die Zukunft, eine besondere Bedeutung in der Erinnerung an die Shoah und den Nationalsozialismus beigemessen. Weitgehend unbeachtet blieb dabei bisher die Funktion der Filmmusik. In meiner Dissertation mache ich mich auf die Suche nach dem Sound, der Nachstellungen Nationalsozialistischer und Antisemitischer Gewalt, Darstellungen des Todes, aber auch Momente der Auflehnung, des Entkommens und Überlebens, begleitet. Hierzu untersuche ich anhand eines Korpus von 200 amerikanischen, deutschen und österreichischen Produktionen, inwiefern musikalischen Stereotypen zum Einsatz kommen. Von besonderem Interesse ist hierbei die zwar vielfach problematisierte, aber nicht nur in der musikwissenschaftlichen Praxis weiterhin bestehende Unterscheidung zwischen Kunst- und Populärer Musik. Da es sich im allgemeinen um Historienfilme handelt, ist auch die Frage interessant, wann historisch „korrekte“ Musik eingesetzt wird, um eine „authentische“ Klangkulisse zu suggerieren, oder bewusst  durch den Einsatz anachronistischer Musik ein Gegenwartsbezug hergestellt wird.

Dissertationsgebiet: Musikwissenschaft

Betreuung: Univ.-Prof. Dr. Michele Calella

email: elias.berner@univie.ac.at

Rino Bosso

Exploring Computer-Mediated English as a Lingua Franca

The use of the English which transcends geographical boundaries and connects different linguacultural backgrounds has been termed English as a Lingua Franca (ELF), and defined as ‘any use of English among speakers of different first languages for whom English is the communicative medium of choice, and often the only option’ (Seidlhofer, 2011: 7, emphasis in original). ELF can therefore be used in spoken, written, and computer-mediated communication (CMC). 

Research on CMC has recently started to pay attention to those communities of Internet users who live in close-proximity, Hybrid Communities (HCs) ‘consisting of people who interact together socially using both online and offline methods of communication’ (Gaved and Mulholland, 2005: 2). In such HCs social relationships in the actual physical space ‘can be established before the creation of the online community – i.e. members of the physical community extend their levels of face-to-face contact to include online spaces’ (Navarrete, Huerta and Horan, 2008: 127).

In view of the enormous number of its users world-wide, Facebook seems to be an ideal virtual setting for computer-mediated ELF interactions. By applying the methods of virtual ethnography for data collection, of corpus linguistics for data annotation and of discourse analysis for the qualitative analysis of data, this applied linguistic project aims to describe the pragmatics of computer-mediated ELF use on Facebook, and how verbal and non-verbal signs are combined by ELF users in the performance of computer-mediated speech acts to achieve their communicative goals.

References:

Gaved, Mark & Mulholland, Paul. 2005. Grassroots Initiated Networked Communities: A study of hybrid physical/virtual communities, in System Sciences, 2005. HICSS '05. Proceedings of the 38th Annual Hawaii International Conference on System Sciences.

Navarrete, Celene, Huerta, Esperanza & Horan, Thomas. 2008. Social Place Identity in Hybrid Communities. In Aurigi, Alessandro & De Cindio, Fiorella (eds.). Augmented Urban Spaces: Articulating the physical and electronic city. Aldershot: Ashgate Publishing, 125-137.

Seidlhofer, Barbara. 2011. Understanding English as a Lingua Franca. Oxford: Oxford University Press.

Dissertationsgebiet:  Anglistik und Amerikanistik

Betreuung: Univ.-Prof. Mag. Dr. Barbara Seidlhofer

email: rino.bosso@univie.ac.at

Marlou de Bont

‘Sketches from Flemish life’. Forms of Exemplarity and the Construction of Social Minds in Hendrik Conscience’s Novels of Manners

The Flemish author Hendrik Conscience (1812-1883) went down in the annals of literary history as ‘the man who taught his people to read’. The catchphrase not only captures the nationalist and didactic ambitions of his literature, but also expresses his popularity among the Flemish reading public, whose literacy rate slowly increased parallel to the fame of the Antwerp-born author. In this dissertation, Conscience’s novels of manners serve as a case study for investigating epistemological and ethical questions concerning the role of the nineteenth-century novel in the distribution of knowledge and the nationalization of culture.

The first objective of this research is to analyze the narrative techniques that are used in the textual construction of a collective mentality (‘social mind’, sensu Palmer 2010) with regard to the perception of social reality in Conscience’s novels of manners. The second research objective is a more exact positioning of Conscience’s ‘ethics of description’ (sensu David 2010 in relation to the dominant literary and social discourses of his time, more specifically in relation to the rise of literary realism.  

The project will do so by investigating forms of literary exemplarity in Conscience’s representation and categorization of social reality. As a conceptual relationship linking the fictional world to extra-literary reality, literary exemplification does not only provide an interpretative framework to the reader, but is highly engaged in the production of cultural norms.

Through its outcome, this research not only hopes to contribute to a deeper understanding of Conscience’s narrative strategies and their ethical implications, but also wishes to redefine their literary-historical significance. Furthermore, the project aims to provide a different perspective on the beginnings of literary realism and the ways narrative form and content reflect and at the same time generate the discourses, worldviews and attitudes that make up a culture.

Dissertationsgebiet: Nederlandistik

Betreuung: Univ. Prof. Dr. Herbert Van Uffelen und Prof. Dr. Kevin Absillis

email: marlou.debont@univie.ac.at

Suzanne Compagnon

Aesthetics and taste: clothing in Ottoman book paintings from the eighteenth century

My Phd project focuses on three groups of Ottoman paintings from the eighteenth century, which all exhibit a clear interest in the depiction of clothing. These are single sheet paintings attributed to Abdülcelil Çelebi Levni (d. 1732), single sheet paintings linked to Abdullah Buhari (who was probably active between 1726 and 1745), and the illustrated copies of the Hubanname and Zenanname by one or more anonymous artists. The prevalent opinion on these works is that they reflect the process of ‘Westernisation’ believed to be taking place in the Ottoman Empire in the eighteenth century. This concept is rarely defined precisely, but when used in connection to these paintings, it can be understood as an interest in European art and European techniques. Thus, scholars such as Gül İrepoğlu and Günsel Renda consider that paintings from the eighteenth century incorporate ‘shading’, ‘perspective’, and a greater ‘realism’, and that the Ottoman painters are consciously adopting these ‘western’ artistic features. I do not agree with this position, mainly because ‘Westernisation’ does not seem to be a productive framework to study the corpus of paintings I am focusing on.

Therefore, in my Phd project I aim to deconstruct the way mimetic elements in the depiction of clothed figures the eighteenth century have been associated with contact with European art. Instead, I intend to propose alternative concepts, which emphasise the aesthetical qualities, with which the artists imbue the depiction of the clothing’s materiality, and underline the fact that these artists seem to consider the viewer’s interaction with a painting more in terms of cognition than in those solely of perception.

Dissertationsgebiet: Kunstgeschichte

Betreuung: Univ.-Prof. Dr. Markus Ritter, M.A.

email: suzanne.compagnon@univie.ac.at

Luisa Drews

Der Kriegsblinde und das Hörspiel. Ästhetiken und Politiken der Blindheit im deutschsprachigen Rundfunk (1920er-1960er)

Während der Rundfunk 1924 als ‚Erlösung für Blinde’ begrüßt wurde, fungierte Blindheit in den Folgejahren vor allem als mediologische Metapher, welche die Funktionsweise und Ästhetik des neuen Mediums erschließen sollte. Nach dem Zweiten Weltkrieg lässt sich eine erneute Verschiebung im Rundfunkdiskurs beobachten: Blindheit bezieht sich nun auf ein aktuelles Problem der Zeit: die sogenannte Kriegsblindheit, eine mehr oder weniger spezifische Form der Spät- und Unfallerblindung, die Anfang der 1950er Jahre zur Voraussetzung und Legitimation der Hörspielproduktion wird. Die weltweit einzigartige Verschränkung von Hörspiel und Kriegsblindenfürsorge in der BRD der 1950er Jahre lässt sich am besten an dem vom Bund der Kriegsblinden Deutschlands e. V. seit 1951 verliehenen Hörspielpreis der Kriegsblinden studieren. Diesem noch heute jährlich überreichten Ehrenpreis kam in der deutschsprachigen Hörspielkultur der 1950er Jahre eine in der Folgezeit niemals wieder eingeholte politische Macht und ästhetische Produktivität zu. Obwohl die Bedeutung des Hörspielpreises von der Forschung flächendeckend anerkannt wird, ist die spezifische Verknüpfung von Institution, Politik, Theorie und Ästhetik bislang unerforscht geblieben. Das Promotionsprojekt möchte diese Forschungslücke schließen und die Transformation von Ästhetiken und Politiken der Blindheit im deutschsprachigen Rundfunk und Hörspiel von den 1920er Jahren bis in die 1960er Jahre untersuchen. Um den wechselseitigen Beitrag von Hörspiel und Blindheit zu erforschen, sollen pragmatische, literarische, journalistische, theoretische und ästhetische Texte, aber auch historische Tonaufnahmen und bildliche Darstellungen analysiert werden. Dabei werden Fragestellungen der Medien- und Gattungsästhetik, Wissensgeschichte und -poetik, Gender und Critical Disability Studies mit Forschungsfeldern der Technik- und Institutionengeschichte verbunden. Ziel des Projekts ist eine radiophone Mediengeschichte der Literatur der ersten vierzig Rundfunkjahre, die unmittelbar an die beiden vergangenen Weltkriege geknüpft ist.

Dissertationsgebiet: Deutsche Philologie / Neuere deutsche Literatur

Betreuung: Univ.-Prof. Dr. Eva Horn

email: luisa.drews@univie.ac.at

Katharina Edtstadler

Komparatistik & Medical Humanities. Inter- und transdisziplinäre Verschränkungen und hochschuldidaktische Potenziale.

Die Medical Humanities eröffnen ein Forschungsfeld, das konkret nach dem Nutzen einer Beschäftigung mit fachfremden Theorien für medizinisches Personal fragt, wobei das Hauptaugenmerk des vorliegenden Dissertationsprojektes auf den Grundsätzen der Narrativen Medizin (NbM) liegt. Es handelt sich hierbei um einen neueren patientenzentrierten Ansatz, dem einige Versuche vorausgehen, den Patienten wieder als Subjekt in den medizinischen Diskurs einzuführen und Krankheit entsprechend nicht als isoliertes Phänomen, sondern im Kontext eines ganzen Lebens und einer individuellen Wirklichkeit zu analysieren. Die Studie beschäftigt sich mit den inter– und transdisziplinären Verschränkungen der beiden heterogenen Disziplinen Literaturwissenschaft und Medizin und konzipiert ein Modell, das mit Blick auf seinen hochschuldidaktischen Nutzen entwickelt wird. Die Forschungsfrage lautet, wie, durch die Definition eines idealen medizinprofessionellen Lesers (realleserbasierte interaktionistische Theoriemodelle) und die Beschreibung eines medizinprofessionellen Leseaktes, der Ansatz der NbM nicht nur bereichert werden kann, sondern sie exploriert auch die Option, ebensolche interdisziplinären Ansätze zukünftig für die Lehre zu standardisieren. In diesem Zusammenhang wird auf nationale Unterschiede in der gegenwärtigen humanmedizinischen Ausbildung eingegangen (Österreich, Deutschland, Schweiz & angloamerikanischer Raum). „Ideal“ ist schließlich nicht im Sinne der klassischen Definition nach Jauß und Iser zu verstehen, sondern meint einen Leser, der maximal kompetent ist, einem Text jene Bedeutung zu entnehmen, die er zur Erfüllung seiner individuellen Berufsanforderungen verwerten kann. Narrativität wird nach V. Nünning als interdisziplinäre Schlüsselkategorie gedacht, die eng mit den kognitiven Funktionen des Erzählens und seiner diskursübergreifenden Relevanz im Bezug auf Emotionen, Empathie und Theory of Mind (ToM) verbunden ist. Literatur ist – dem Grundgedanken der Doktorarbeit entsprechend – weniger Hauptgegenstand als interdisziplinäres Erkenntnisobjekt.

Dissertationsgebiet: Vergleichende Literaturwissenschaft

Betreuung: Univ.-Prof. Dr. Achim Hermann Hölter, M.A.

email: katharina.edtstadler@univie.ac.at

Andreas Enderlin

Zwischen Kaiser, Staat und Gesellschaft: Der Nachlass Adolf Brauns – Direktor der Kabinettskanzlei Franz Josephs 1865-1899

Das Dissertationsprojekt nimmt sich einer Institution an, der in der Forschung bislang wenig Aufmerksamkeit zu kam: der Wiener Kabinettskanzlei. Diese fungierte als eine Schnittstelle zwischen dem Monarchen und der Regierung, den Ministerien. Über den Bestand der sogenannten „Kabinettskanzleivorträge“, die für die Regierungszeit von Franz Joseph I. über 250.000 Dokumente umfassen, ist ein Zugang zur analytischen Erforschung gegeben. Darüber hinaus kam dem Leiter der Kabinettskanzlei stets die entscheidende Position zu, über die der praktische Handlungsrahmen der Institution festgelegt wurde. Denn die Kanzlei war eine stark personenorientierte Einrichtung und ihr kam demnach von Kaiser zu Kaiser eine andere Rolle hinsichtlich der allerhöchsten kaiserlichen Politik zu. Der langjährigste Kabinettskanzleidirektor Adolf Braun, der diese Position von 1865 bis 1899 inne hatte, ist dafür eine exzellentes Beispiel. Anhand seines Nachlasses lässt sich nicht nur seine Tätigkeit und allgemein die der Kanzlei untersuchen, sondern zwei weitere Dimensionen treten hervor: Braun fungierte in einem weitreichenden Netzwerk als Mediator zwischen der breiten Gesellschaft und dem Kaiser. Außerdem war über ihn die Möglichkeit gegeben, informelle Wege der Politik zu nützen, um in Angelegenheiten der allerhöchsten Regierungstätigkeit und Staatsverwaltung mitzuwirken. Das Projekt stützt sich so vornehmlich auf Theorien über informelle Politik (Principal-Agent-Theory, Agency Loss) und Methoden der Historischen Netzwerkforschung sowie der Praxeologie.

Dissertationsgebiet: Geschichte

Betreuung: Univ.-Prof. Dr. Peter Becker

email: andreas.enderlin@univie.ac.at

Henriette Engelke

Opernverfilmungen und das Problem des Medienwechsels: Kritische Positionen und künstlerische Lösungen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts

Seit der Geburt des Kinos gibt es ein Interesse, Opern über das filmische Medium zu verbreiten und zu popularisieren. So entstanden allein in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hunderte Opernverfilmungen unterschiedlichster Ausprägung, und zwar sowohl mit als auch ohne Gesang. Etikettierungen wie „Musikfilm“, „Opernfilm“, „Sängerfilm“ oder lediglich „Spielfilm“ spiegeln das breite Spektrum der aus diesem Medienwechsel hervorgegangenen filmischen Produkte wider. Die Adaptionen jener Zeit richteten sich einerseits an die breite Masse, wobei sie zwischen Massenspektakel und Volkserziehung stehen. Andererseits zielten sie explizit auf ein „elitäres“, nämlich das Theater- und Opernpublikum ab und müssen damit einhergehend im Kontext einer angestrebten Nobilitierung des Massenmediums Film gesehen werden. Der zeitgenössische Journalismus diskutierte Legitimation und Funktion von Opernverfilmungen auf unterschiedlichste Weise, nicht zuletzt in Hinblick auf das medienkompetitive Verhältnis von Oper und Film sowie ihre verschiedenen Funktionsweisen. So wurden die Dramaturgie des Films und die Dramaturgie der Oper, das Schauspiel auf der Bühne und das Schauspiel auf der Leinwand, aber auch Bedeutung, Funktion und Gestalt der Musik in Oper und Film besprochen und miteinander verglichen. Denn – wie Guido Glück 1921 betonte – „alle drei [Drama, Libretto, Kino] stehen unter wesentlich verschiedenen Gesetzen“.

Im Zuge des wissenschaftlichen Intermedialitätstrends sind in jüngster Zeit vermehrt Studien zur Wechselwirkung von Film und Musiktheater entstanden. Daran anknüpfend arbeitet das Dissertationsprojekt den intensiven deutschsprachigen Diskurs rund um die Problematik dieses Medienwechsels auf. Dabei wird zunächst das Phänomen der Opernverfilmung historisch umrissen, bevor die Positionen zu Oper und Kino in der journalistischen Debatte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ausgewertet werden. Den zahlreichen Aufsätzen und Kritiken werden die Filme selbst – sozusagen als künstlerische Statements – gegenübergestellt. Sie geben Antwort auf die Frage, ob und vor allem wie man Opern verfilmen kann.

Dissertationsgebiet: Musikwissenschaft

Betreuer: Univ.-Prof. Dr. Michele Calella

email: henriette.engelke@univie.ac.at

Holger Englerth

Erfahrungen des Luftkriegs in drei Nachkriegsromanen von österreichischen Schriftstellerinnen (Alma Holgersen, Hildegard Puhm, Grete Scheuer)

Im Zentrum der Dissertation steht die Frage, wie die Erfahrung des Luftkrieges unmittelbar nach dem Krieg von österreichischen Autorinnen aufgenommen und bearbeitet wurde. Die dafür ausgewählten Romane (Alma Holgersen: Großstadtlegende. Amandus Edition, Hildegard Puhm: Karyatide. Gerlach & Wiedling, Grete von Scheuer: Die lange Nacht. Wiener Verlag) wurden alle bereits 1946 veröffentlicht und sind heute fast vollständig vergessen. Als sehr frühe Reaktionen auf ihr Thema sind sie jedoch einerseits exemplarisch für die Interpretationen der direkten Nachkriegszeit, andererseits in ihren unterschiedlichen literarischen Verfahrensweisen Beispiele für die Möglichkeiten einer Literatur, die sich mit einer Wirklichkeit von bis dahin nicht gekannter technischer Zerstörung konfrontiert sah. Da die Thematisierung des Luftkrieges in der österreichischen Literatur bis jetzt noch keinen Eingang in die Forschungen zur Literaturgeschichte gefunden und auch die Geschichtswissenschaft bisher v.a. militärhistorische Darstellungen hervorgebracht hat, sollen die drei Romane einer Lektüre unterzogen werden, die ihren literarischen und sozialhistorischen Kontext miteinbezieht. Methodisch-theoretisch orientiert sich die Arbeit an den Praktiken des New Historicism, der von Stephen Greenblatt geprägt wurde. Damit kann  auch die Rezeption miteinbezogen werden, die die Frau als „tragende Gestalt der letzten Kriegsmonate“ sah, wobei abzuklären ist, inwiefern sie als Figur der Durchhaltepropaganda, zeithistorische Realität oder fast mythologisch zelebriertes Motiv der Narrative der Nachkriegszeit gezeichnet bzw. gesehen wird. Dennoch blieben die Texte der Schriftstellerinnen ein Angebot von „sozialer Energie“ im Sinne Greenblatts (z.B. Angst, Leiden, Trauer), das offenbar kaum angenommen wurde.

Dissertationsgebiet: Deutsche Philologie

Betreuung: Assoz. Prof. Dr. Günther Stocker

email: holger.englerth@univie.ac.at

Lucia Filipova

Der Schelmenkriminalroman in Spanien

Nach dem Tod des spanischen Diktators Francisco Franco im Jahr 1975 begann der Prozess der Transición bis hin zur Demokratie, im Rahmen dessen 1977 in Spanien auch die Literaturzensur aufgehoben wurde. In dieser Zeit erlebte auch die spanische Kriminalliteratur ihren Höhepunkt, da einerseits die Übersetzungen der amerikanischen hard-boiled Literatur das Land erreichten und andererseits die eigene literarische Produktion dieser Art begann. Dabei wand man sich von dem angelsächsischen Rätsellösen ab und kreierte Antihelden mit einer starken persönlichen Moral, die bis heute das Genre der novela negra prägen. Sie sind am Geschehen persönlich beteiligt und stellen sich der alltäglichen Gewalt in einer Welt voller Missstände, die keinen Ausblick auf Besserung bietet. Diese Antihelden manifestieren sich in der spanischen Kriminalliteratur oft auf eine pikareske Art und Weise, die an die bereits im 16. Jahrhundert, dem Goldenen Zeitalter der spanischen Literatur, entstandenen Schelmenromane und Helden wie Don Quijote oder Lazarillo de Tormes erinnert. Relevante Merkmale sind jedoch nicht nur die Figurenanalyse und Gesellschaftskritik, sondern auch die sprachliche und narratologische Ebene, da diese Werke oft einen biografischen Charakter vortäuschen, wobei starke Diskrepanzen zwischen dem Protagonisten und dem Erzähler beobachtet werden können. Die Kernfrage dieses Forschungsprojekts bildet somit die Verbindung zwischen dem Kriminalroman und dem Schelmenroman sowie die Frage, ob man grundsätzlich davon ausgehen kann, dass diese Hybridform eine neue Gattung im Rahmen der spanischen Kriminalliteratur begründet.

Dissertationsgebiet: Romanistik

Betreuung: Univ.-Prof. Dr. Kathrin Sartingen

E-Mail: lucia.filipova@univie.ac.at

Sandra Folie

Beyond ‘Ethnic Chick lit’. Labels zeitgenössischer ‚Frauenliteratur’ im transkontinentalen Vergleich

In my dissertation project “Beyond Ethnic Chick lit. Labels of Contemporary Women’s Fiction, a Transcontinental Comparison” I elaborate on the limitations of the ‘Chick lit gone global’ discourse, within which two frequently discussed terms in general and comparative literature – world literature and women’s literature/fiction – as well as two of the latest ‘turns’ – the global and the gender turn – intersect.

Even though the term women’s literature and/or fiction has been criticized frequently over the past decades, the literary market is still driven by the urge to classify literature in gendered terms, freezing once again the old dichotomy of ‘emotional’ women’s fiction vs. untagged ‘serious’ (‘men’s’) literature. The latest example would be Chick lit, the so-called New Woman’s Fiction, although not exactly new anymore. Originally defined as an Anglo-American, ‘white’, ‘middleclass’ and ‘heterosexual’ phenomenon, starting with the bestseller novels Bridget Jones’s Diary and Sex and the City in the mid-1990ies, Chick lit changed rapidly, crossing genre (e.g. Chick nonfiction) and gender (e.g. Lad or Frat lit, Queer Chick lit) as well as various cultural, geographic, and linguistic boundaries. The latter development was once called The Chick Lit Pandemic in The New York Times – a headline that was probably meant to mock literary critics, as they mostly spoke of Chick lit as ‘fluff’, hardly worth criticizing. Now with this ‘fluff’ going global the ironic picture of a ‘pandemic’ suggested itself: an immensely successful transfer from the Anglo-American ‘centre’ to ‘the periphery’, from the ‘original’ genre to numerous adapted subgenres. For the latter the term Ethnic Chick lit has been established, which in the broadest sense includes all Chick lit by authors or with protagonists, who have other than so-called ‘Western’ sociocultural backgrounds. The main criterion, however, seems to be the skin colour (‘white’ vs. ‘non- white’). This definition reveals a very problematic dimension of the term ‘ethnic’: it suggests that ‘white’ women’s literature is not ‘ethnic’, but ‘the norm’.

With the help of selected examples from different linguistic and cultural areas the marginalisation and homogenisation of contemporary women’s fiction through the Ethnic Chick lit label will be analysed. As methodological framework I use Franco Moretti’s distant reading approach in combination with the four comparative strategies – Re-Vision, Recovery, Circulation and Collage – suggested by Susan Stanford Friedman in “World Modernisms, World Literature, and Comparativity” for research on a global scale. The aim is to question the predominantly Anglocentric perspective in theory-driven research and to illustrate local peculiarities behind the global labelling.

Dissertationsgebiet: Vergleichende Literaturwissenschaft

Betreuung: Univ.-Prof. Dr. Achim Hermann Hölter, M.A.

email: sandra.folie@univie.ac.at

Beatrice Frasl

“Who is the monster and who is the man? Constructions of heteronormativity and (sexual) Otherness in Disney’s animated feature films

My research project aims at analysing heteronormativity and constructions of sexual Otherness in selected animated feature films produced by the Disney studio from 1937 to today, tracing the development of these constructions and recurring tropes throughout three phases (1937-1967, 1989-1999, post 2000) of Disney’s cinematic oeuvre. Reading the films from a queer theoretical perspective, I want to explore their sexual politics, construction/s of heterosexuality, the naturalization and normalization of heterosexuality as well as the functions of heteronormativity in the narratives, focussing on how it intersects with gender and race. A particular focus of the thesis will be on the figure of the monstrous feminine and on depictions of transgressive femininity as a locus of queerness, in which heteronormative politics are suspended, countered or satirized. The project therefore wants to contribute to a better and more comprehensive understanding of the complexities and intersections of constructions of gender and sexuality in Disney films specifically and the intersections of the figure of the monstrous feminine with the figure of the monstrous queer in popcultural articulations more broadly.

Dissertationsgebiet: English and American Studies

Betreuung: Elisabeth Holzleithner, Monika Seidl

email: beatrice.frasl@univie.ac.at

Timo Frühwirth

Silent Things: The Austrian Auden Estate

W. H. Auden is one of the most acclaimed writers in the English language. But while from 1958 to 1973 he divided his year between New York City and Lower Austria, his work and life in Austria have not yet been systematically investigated, and biographical evidence inclines to the anecdotal. Outside such subjective accounts, however, there is evidence that appears much more objective: typescripts, letters, photographs, objects of everyday use. What remains of Auden’s highly productive time in Austria is dispersed now between public archives and private collections whose materials have so far been inaccessible to research. It is the Austrian Auden materials in private hands that the project sets out to investigate and digitally document.

At the same time, questions become relevant as to what evidence can be found in the material. Cultural theory has highlighted the unstable status of what appears solidly material. And it is the physical and semantic mobility of the material that has especially been explored in Thing Theory, which distinguishes the object from the thing: “We begin to confront the thingness of objects when they stop working for us” (Brown, “Thing Theory” 4)—but objects stop working too when subjects die. Left, lost, forgotten, stored away, they drop out of the semiotic order: momentarily, objects become things. And things become objects again: when exhibition and art intervention, publication and edition re-objectify the thing into an object that it has never been.

In the light of such paradoxical fluidity of the material, the cultural phenomenon of estate becomes newly assessable. And if the distinctive status of the material will be revisited in terms of Thing Theory, Thing Theory’s explanatory potentials will be critically explored in terms of the specific cultural phenomenon at hand: the Austrian Auden estate.

Dissertationsgebiet: English and American Studies / Cultural Studies

Betreuung: Ao. Univ.-Prof. Dr. Monika Seidl

email: timo.frühwirth@univie.ac.at

Elisabetta Frullini

Der Musiker als Sammler im 17. Jahrhundert in Rom am Beispiel von Marc’Antonio Pasqualini, Loreto Vittori, Marco Marazzoli und Bonventura Argenti

Im 17. Jahrhundert war Rom als Sitz des päpstlichen Hofes eines der bedeutendsten und produktivsten Kunst- und Kulturzentren Europas. Künstler, Musiker, Gelehrte und Literaten wurden von zahlreichen Mäzenen unterstützt. Das höfische Leben und die vielen Aufträge und Projekte, die zum Teil – wie im Fall von Opernaufführungen – die Zusammenarbeit unterschiedlicher Künstler verlangten, führten zu einem regen künstlerischen und intellektuellen Austausch. Ziel des Dissertationsvorhabens ist es, die Sammeltätigkeit von Musikern in diesem fruchtbaren Umfeld anhand von konkreten Beispielen zu analysieren. Ausgehend von Gemälden aus dem Besitz von Musikern und den erhaltenen Inventaren ihrer Güter, werden vier Musikerpersönlichkeiten exemplarisch untersucht: Marco Marazzoli, Marc’Antonio Pasqualini, Loreto Vittori und Bonaventura Argenti – alle vier nicht nur Sänger bzw. Komponisten, sondern auch Kunstsammler.

Die Sammlungen der Musiker werden im Kontext der höfischen Kunstpatronage untersucht. Die Wahl der Künstler, unter denen sich so bedeutende wie Andrea Sacchi, Giovanni Lanfranco und Pierfrancesco Mola befanden, aber auch die Bevorzugung bestimmter Genres und die Ikonografie der Bilder geben wichtige Hinweise auf die soziale Stellung der Musiker und ihre Repräsentationsstrategien, auf die engen persönlichen Verbindungen zu bestimmten Künstlern und auf zentrale Diskurse der zeitgenössischen Kunst- und Musiktheorie.

Dissertationsgebiet: Kunstgeschichte

Betreuung: Univ.-Prof. Dr. Sebastian Schütze

email: elisabetta.frullini@univie.ac.at 

Eleonora Gaudieri

Alois Riegl und Die Entstehung der Barockkunst in Rom

Meine Dissertation basiert auf einem spezifischen Aspekt in Alois Riegls umfangreichem Werk: Es handelt sich um die drei Jahre nach Riegls Tod veröffentlichte Publikation Die Entstehung der Barockkunst in Rom (1908) sowie die unveröffentlichten Manuskripten hierzu, die Riegl für seine Lehrtätigkeit an der Universität Wien verwendete. Während das Buch lediglich die italienische Kunstgeschichte von Michelangelos späten Werken um 1520 bis zu den letzten Jahren Annibale Carraccis und Michelangelo Merisi da Caravaggios um 1610 behandelt, beschäftigte sich Riegl in den Manuskripten nicht nur mit der römischen „Entstehung“ des Barock sondern mit der europäischen Barockkunst ausgehend von der Mitte des 16. bis ins 19. Jahrhundert. Durch die historiographische Forschung möchte ich Riegls Stellung innerhalb der beginnenden Diskussion über die Barockkunst in der kunsthistorischen Literatur um 1900 genauer klären, um die Originalität seines „Barockbegriffs“ zu erfassen. Ich wende eine inhaltlich-terminologische Analyse der Werke Riegls und seiner Zeitgenossen hinsichtlich der Barock-Literatur (von Jacob Burckhardt zu Josef Strzygowski) an. Im Anschluss daran widme ich mich der Erforschung seiner handschriftlichen Notizen und fokussiere die unveröffentlichten Teile: Inwiefern ändern Letztere unsere Kenntnis um Riegls Vorstellungen der Barockkunst?

Dissertationsgebiet: Kunstgeschichte

Betreuung: Univ.-Prof. Dr. Sebastian Schütze

email: eleonora.gaudieri@univie.ac.at

Iris Gemeinböck

Strictly Gothic: a corpus analysis of early Gothic fiction

Gothic fiction with its gloomy castles, damsels in distress and diabolic villains has long been fascinating readers looking for the thrill of terror and horror, but despite its popularity among contemporary readers, Gothic fiction has been criticised for being a rather formulaic genre read purely for entertainment. Only relatively recently has Gothic fiction been started to be taken seriously as a literary genre and been recognised by critics for its vital role in the development of the novel towards its modern shape by putting the focus on building suspense and emotionally involving the reader, which are two characteristics of literature that are now taken for granted.

My project Strictly Gothic: a corpus analysis of early Gothic fiction aims to analyse the linguistic and stylistic characteristics of this captivating genre through computer-aided corpus methods in combination with qualitative stylistic analyses supported by a range of notions from literary and cultural theory, in particular feminist literary theory. In other words, Strictly Gothic is an exploration of the collective stylistic repertoire of early Gothic fiction as a genre, but at the same time my reading of the Gothic enquires into the divergent uses these shared linguistic resources were put to.

To enable an analysis that is at least in part quantitative, it was necessary to build a large collection of literary texts from the eighteenth and early nineteenth centuries, including of course Gothic fiction. This corpus of prose fiction called the Corpus of eighteenth-century prose fiction, or C18P for short, currently comprises 143 texts from 15 genres, amounting to nearly 10 million words. C18P will be made freely available to other researchers and thus facilitates digital literary studies analyses of prose fiction from the dawning of the age of the novel.

Dissertationsgebiet: English and American Studies

Betreuung: Ao. Univ.-Prof. Dr. Monika Seidl, Univ.-Prof. PD Mag. Dr. Gunther Kaltenböck, M.A.

email: iris.gemeinboeck@univie.ac.at

Korbinian Grünwald

„Wien um 1450 – die Autopsie einer spätmittelalterlichen Stadt. Soziale Strukturen, Netzwerke und Interaktion in Wien in den Jahren 1448-1466.“

Zu den zentralen Themen der mittelalterlichen Stadtgeschichte gehört die Erforschung in sozialstatischer und netzwerkanalytischer Hinsicht. Aufgrund der dünnen Quellenlage ist dies jedoch nur in Ansätzen möglich. Häufig fehlen serielle Quellen wie Steuerbücher, um die soziale Zusammensetzung einer Stadt genauer zu bestimmen. Dies gilt auch für Wien. Allerdings sind hier weitere edierte und unedierte Quellen vorhanden, um das Bild von der sozialen und räumlichen Gliederung der Stadt zu verbessern. Diese bilden die Quellenbasis für die Untersuchungen dieses Projekts. Es handelt sich einerseits um Quellen, die Entwicklungen und Interaktionen auf den Immobilienmärkten (Grundbücher, Urkunden) und andererseits um Quellen, die soziale Gegebenheiten und Strukturen (Listen zu Zwangsanleihen, Bürgermilizen, Steueranschlägen, Kammeramtsrechnungen) beschreiben. Ergänzend zu letzteren werden von mir die bis zum heutigen Tag nicht digital edierten städtischen und klösterlichen Grundbücher herangezogen. Diese haben – im Gegensatz zu Steuerlisten - das Potential auch Interaktionen zu erfassen. Die Kombination und Vernetzung der Quellenarten ermöglicht einen mikrohistorischen Einblick in die sozialen Verhältnisse, Topographien, Abhängigkeiten und Netzwerke der Stadt. Durch die gleichzeitige Erfassung von Personen und Objekten sowie diverser Interaktionen und Verbindungen dieser Entitäten untereinander, die ein enormes Potential an modernsten Verknüpfungs- und Auswertungsmöglichkeiten (Netzwerkanalysen, Multiple Korrespondenzanalysen) birgt, stellt die digitale Erfassung den Einstieg in einen neuartigen Umgang mit den frühen verschriftlichten Quellen zu Rechtsgeschäften des Mittealters dar. Durch die systematische Vernetzung mit dem multiplen Quellenkorpus und vorhandenen Untersuchungen soll ein multiperspektivisches Bild der Stadt entstehen. Die 'dichte Beschreibung' bedingt eine Konzentration auf einen kurzen Zeitraum, aufgrund der Quellenlage konzentriert sich meine Untersuchung auf die Jahre 1448-1466. Das primäre Ziel der Arbeit ist es Erkenntnisse zur Sozialtopographie und Vermögensstruktur der Einwohner Wiens, vor allem aber auch zu deren Interaktionen (u.a. auf dem Immobilienmarkt) sowie zu Verwandtschaftsverhältnissen und Nachbarschaften zu erhalten.

Dissertationsgebiet: Geschichte

Betreuung: Univ.-Prof. Dr. Thomas Ertl, Univ.-Prof. Christina Lutter

email: korbinian.gruenwald@univie.ac.at

Hanna Hamel

Foto Credits: Stefan Scherhaufer

Klimatologien der beginnenden Moderne

Die Dissertation befasst sich mit Klima als einem theoretischen Konzept für Natur im späten 18. Jahrhundert. Den Ausgangspunkt bildet die widersprüchliche Beobachtung, dass der Begriff des Klimas sich in seinem modernen Verständnis, nämlich als zeitlich wandel- und formbare wie auch als formende Naturerscheinung, einerseits dem objektivierenden wissenschaftlichen Zugriff entzieht, andererseits aber gerade zur Beschreibung und Prognose des stabil Erwartbaren dienen soll. Klimatische Natur wird in der Dissertation als ein zur modernen, distanzierten Natur alternatives theoretisches Konzept gefasst, das in einem durchdringenden Verhältnis zu Kultur steht. Der Fokus der Dissertation liegt auf den Möglichkeiten und Strategien der Darstellung, die in Texten der Autoren J.G. Herder, I. Kant und J.W. Goethe zum Einsatz kommen, um klimatische Natur zu erfassen, zu präsentieren und zu problematisieren. 

Die Untersuchung der Texte soll dabei nicht nur eine exemplarische historische Konstellation von Naturentwürfen einsichtig machen, sondern grundlegende, von Beginn an bestehende moderne Schwierigkeiten in der Konzeptualisierung und Darstellung nicht-objektivierbarer Natur aufdecken, die in den jüngsten Diskussionen ökologisch motivierter Literatur- und Kulturwissenschaft erneut thematisch werden .

Dissertationsgebiet: Deutsche Philologie

Betreuung: Univ.-Prof. Dr. Eva Horn

email: hanna.hamel@univie.ac.at

Elisa Heinrich

Zur Diskursivierung der ‚weiblichen Homosexuellen‘ – Transfers zwischen Sexualwissenschaften, Rechtsdiskurs und Frauenbewegungen in Deutschland (1870-1914)

Die Sexualwissenschaft erfand in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit der ‚weiblichen Homosexuellen’ eine neue sexualpathologische Kategorie. Gegenstand gesellschaftlicher Auseinandersetzung wurde diese Kategorie in Deutschland aber erst zu dem Zeitpunkt als ein Vorentwurf des überarbeiteten Reichsstrafgesetzbuches von 1909 vorsah, § 175, der ‚Unzucht‘ zwischen Männern unter Strafe stellte, auf Frauen auszudehnen. Die Frauenbewegung war als homosoziales Feld von dieser Entwicklung besonders betroffen. Das vorliegende Dissertationsprojekt stellt die Frage, welche Bezugspunkte, Interaktionen und Transfers sich zwischen der sich etablierenden Sexualwissenschaft, dem Rechtsdiskurs und Frauenbewegungen finden lassen und auf welche Weise die Kategorie der ‚weiblichen Homosexuellen‘ in diesem Spannungsfeld diskursiviert und etabliert wurde. Ziel ist es, erstens die verschiedenen Ordnungen des Sagbaren in den drei genannten Diskursfeldern zu bestimmen und zu analysieren, auf welche Weise diese Ordnungen miteinander interagierten, sich gegenseitig befruchteten oder voneinander abgrenzten. Zweitens soll die Vernetzung zwischen Sexualwissenschaft, Recht und Frauenbewegungen entlang von Akteur_innen, personellen Netzwerken und institutionellen Strukturen untersucht werden. Der methodische Ansatz orientiert sich an dieser zweigeteilten Fragestellung und setzt sich aus einer diskursanalytischen Untersuchung sowie Ansätzen der Institutionen- und Akteursanalyse und biografischen Zugängen zusammen. Mit dieser Problemstellung verbindet das Dissertationsprojekt Forschungen zur Sexualitätsgeschichte wie zu Frauenbewegungen um 1900 auf innovative Weise mit einem dritten Fokus auf rechtliche Veränderungsprozesse, da es die ‚Erfindung’ weiblicher Homosexualität innerhalb dieses diskursiven Spannungsfelds verortet, statt diesen Vorgang als Top-Down-Prozess zu verstehen.

Dissertationsgebiet: Geschichte

Betreuung: ao. Prof.in Mag.a Dr.in  Johanna Gehmacher, Univ.-Prof. Dr. Franz X. Eder

email: elisa.heinrich@univie.ac.at

Amanda Hinteregger

Zuverlässige Erinnerungserzählerinnen? Weibliches Altern im Spiegel der spanischen Gedächtnisliteratur

Ich behandle das Erinnern von „alten Frauen“, das in Werken der spanischen Gedächtnisliteratur des 20./21.Jh. in (Auto)-Biografien und in fiktionalen Werken mit (auto)-biografischer Basis dargestellt wird. Die Auswahl besteht aus Memoria de la Melancolía (M.T. León, 1970), Confesiones de una vieja dama indigna (E. Tusquets, 2009), El cuarto de atrás (C. Martín-Gaite, 1978), La plaça del diamant (M. Rodoreda, 1962) und La voz dormida (D. Chacón, 2002).

Aufgrund der geschlechterspezifischen Rollenverteilung entlang der spanischen Zeitgeschichte und der daraus resultierenden Verschiedenheit der Lebensgeschichten ist auch die Konzeption gealterter ErinnerungsträgerInnen geschlechterspezifisch geprägt. Das Selbst-und Fremdverständnis als „alte Erinnernde“ trägt zur Identifizierung eines bestimmten Erinnerungsstandpunktes bei. Dieser wird nach der intersubjektiven Gültigkeit der Erinnerungsperspektive bewertet und in der Fiktion ausgehandelt. In selbstreferentiellen Sequenzen der ausgewählten Werke kommen diese Bedeutungszuschreibungen zum Tragen.

Vorab wird die Präsenz der intersektional geprägten Konzeption des „weiblichen Alter(n)s“ in der kulturwissenschaftlichen Gedächtnistheorie und der literaturwissenschaftlichen Autobiografieforschung herausgestellt. In der narratologischen Analyse des Textkorpus untersuche ich Wertungen, die in der Fiktionalisierung produziert werden und sich auf die Interpretationsmacht von Angehörigen der extratextuellen Kategorie „alte Frau“ beziehen. Dabei wird der Frage nachgegangen, ob diese Wertungen dazu führen, dass „alten Erinnerungserzählerinnen“ im Text die Erinnerungshoheit über die erzählte Vergangenheit abgesprochen wird. Dabei wird beleuchtet, inwiefern eine graduelle Zugehörigkeit zu dieser Kategorie Handlungsspielraum in der Erzählautorität eröffnet.

Dissertationsgebiet: Romanistik

Betreuung: Univ.-Prof. Dr. Kathrin Sartingen

email: amanda.hinteregger@univie.ac.at

Konstantin Hirschmann

Componimenti, poemetti und feste – musiktheatrale Huldigung am Hof Josephs I.

In meiner Dissertation untersuche ich kleine musikdramatische Huldigungswerke (componimenti drammatici) am Hof Josephs I. (1705-1711), die alljährlich für die Geburts- und Namenstage des HerrscherInnenpaares verfasst wurden. Im Anschluss an eine Gattungsbeschreibung soll – zunächst mit Blick auf die Textbücher – der Funktionalität dieser enkomiastischen Werke als Beitrag zur Imagebildung der Herrscherfamilie nachgespürt werden. Musikanalytisch möchte ich in Anlehnung an die semiotisch gefärbte topic theory überprüfen, inwieweit auch die Musik an der durch die Libretti erzeugten HerrscherInnenrepräsentation teilzuhaben vermag.

Dieses in Buchstaben und Noten gegossene HerrscherInnenlob wird in meiner Arbeit anschließend in das gesamtkulturelle Panorama (panegyrische Dichtung, Malerei, Baukunst, Historiographie, Berichterstattung in Periodika) des Wiener Hofs eingebettet, ein Panorama, das die Konstituierung der „Ikone [des] absoluten Monarchen“ (Louis Marin) zum Ziel hatte und das vermittels einer vergleichenden kulturhistorischen Analyse durchleuchtet werden soll.

Eingedenk der Tatsache, dass componimenti drammatici in Wien an den unterschiedlichsten Orten aufgeführt wurden, liegt es nahe, mit Blick auf den kulturwissenschaftlichen spatial turn, Überlegungen bezüglich Musik und Raum anzustellen. Dass man für unterschiedliche Räume unterschiedlich komponieren musste, war den Komponisten des 18. Jahrhunderts klar, worüber Musiktraktate der Zeit beredtes Zeugnis ablegen, und so soll in meiner Dissertation der Frage nachgegangen werden, inwieweit Komponisten am Wiener Hof zu Beginn des 18. Jahrhunderts auf die akustischen Gegebenheiten der diversen Aufführungsorte und -bedingungen eingegangen sind.

Dissertationsgebiet: Musikwissenschaft

Betreuung: Univ.-Prof. Dr. Michele Calella

Kristina Hutter

Orte, Topographien und Raumstrukturen im Jenseitskonzept altägyptischer funerärer Texte bis ins Neue Reich

In der zweiten Hälfte des 3. Jahrtausends v. Chr. tauchen im altägyptischen funerären Schriftgut erstmals ausführliche Jenseitsbeschreibungen auf, die eine räumliche Vorstellung vom Jenseits als Teil der religiösen Weltanschauung erkennen lassen. Zu den wichtigsten funerären Texten gehört einerseits die Spruchtradition der Pyramidentexte (ab ca. 2300 v. Chr.), Sargtexte (ab ca. 2100 v. Chr.) und Totenbuchtexte (ab ca. 1550 v. Chr.), die, beginnend in der 5. Dynastie des Alten Reichs, die gesamte pharaonische Geschichte umspannt, und andererseits die sog. Jenseitsführer: Unterwelts- und Himmelsbücher, die erst ab ca. 1500 v. Chr. in der 18. Dynastie des Neuen Reichs aufkommen.

In dieser langen Zeitspanne zeichnen sich in der Entfaltung der Jenseitsvorstellungen zwei Entwicklungstendenzen im funerären Textmaterial ab: Zum einen kommt es zu einer konzeptuellen Veränderung in der Darstellung des Jenseitsglaubens, indem das räumliche Wissen über die jenseitige Welt in einem topographischen Ordnungsprinzip systematisiert wird. Zum anderen lassen sich in der kontextuellen Ortssemantik Abstrahierungsmerkmale ablesen. So kann unter anderem die Grenze zwischen realen und mythischen Orten aufgelöst werden, wobei Grenzüberschreitungen auf zwei Ebenen greifbar werden: Einerseits werden lokale Ort- und Landschaften mythologisiert, andererseits imaginäre jenseitige Orte architektonisch konstruiert.

In der vorliegenden Dissertation werden aufgrund des funerären Schriftguts komplex geschichtete und miteinander verflochtene Raummodelle im altägyptischen Jenseitsglauben rekonstruiert. Durch die Analyse der kulturellen Konstruktion von Jenseitsräumen sowie der Ordnungsprinzipien, die den mehrdimensional vermittelten Raumvorstellungen zugrunde liegen, richtet sich die Untersuchung auf die Ausarbeitung abstrakt-topologischer Raum-Repräsentationen sowie konkret-topographischer Raum-Strukturen. Ferner wird das Bedingungsverhältnis zwischen in Architektur reproduzierten und den kulturpragmatisch produzierten Räumen in Hinblick auf die Frage nach der „Lesbarkeit“ architektonisch umgesetzter Räume im religiösen Umfeld angesprochen.

Promotionsbereich: Ägyptologie

Betreuung: Assoz. Prof. Dr. Gerald Moers

email: kristina.hutter@univie.ac.at

Roman Kabelik

Entgrenzte Subjekte – Beweglichkeiten und Lokalisierungen in der deutschsprachigen Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts 

Das Dissertationsprojekt widmet sich literarischen Artikulationen von Mobilität und bürgerlichen Subjektivierungsformen in der deutschsprachigen Erzählliteratur des 18. und 19. Jahrhunderts. Vor dem Hintergrund einer sich in diesem Zeitraum durch Industrialisierung, Urbanisierung und zunehmender Globalisierung beschleunigten Lebenswelt in Europa stellt Mobilität ein historisch mächtiges Wirkungsprinzip dar, das größeren und komplexeren Sozialordnungen als notwendiges Regulativ dient. Neben Alltagshandlungen und institutionellen Akteuren arbeiten Repräsentationen an kultureller Hegemonie mit und versammeln kollektive Vorstellungen von entgrenzter Beweglichkeit. Als reflexives Archiv und populäre Gattung dieser Zeitspanne gestaltet erzählende Literatur bürgerliche Wissensordnungen durch flexible Perspektiven, ein multimodal mobiles Figurenarsenal und Raum-Zeit-Konstellationen, in denen Bewegungen und Reichweiten eingeschränkt oder befördert bzw. verlangsamt oder beschleunigt werden.

Das Projektkorpus umfasst Romane und Erzählungen von Wieland, Goethe, Tieck, Stifter, Raabe und Fontane und wird aus vier theoretischen und konzeptionellen Zugängen untersucht: Ein diskursanalytischer Ansatz zeichnet historische Kontexte nach, in denen literarische Texte Aussagen über Menschenverkehr, Warentransport und zunehmende Globalisierung bei gleichzeitiger Ausbildung von Häuslichkeit als Bestandteil bürgerlicher Subjektkultur treffen; mittels narratologischer Begriffe wird die Formgestaltung der Texte hinsichtlich ihrer perspektivischen Beweglichkeit, ihrer Distanzinszenierung sowie ihres Darstellungsrhythmus befragt; über raumtheoretische Modelle werden ästhetische Chronotopoi, geokritische Referenzialität und geopolitische Weltordnungsentwürfe verschränkt und Mobilität als Konstituens oder Irritationsmoment für kulturelle Raumzeiten skizziert; schließlich werden mithilfe der kognitiven Poetik in den Texten artikulierte Image-Schemata und Metaphern aus dem semantischen Feld der Bewegung herausgearbeitet, die v.a. im Bereich des sozialen Wandels und der technologischen Entwicklung Verwendung finden.

Dissertationsgebiet: Deutsche Philologie

Betreuung: ao. Univ.-Prof. Dr. Franz Eybl, Univ.-Prof. Dr. Annegret Pelz

email: roman.kabelik@univie.ac.at

Mario Keller

Emotionalisierungsstrategien im österreichischen Werbefilm 1955-2005

Das Dissertationsprojekt befasst sich mit dem österreichischen Werbefilmschaffen der Jahre 1955 bis 2005 anhand fünf österreichischer „Traditionsunternehmen“ (Ankerbrot, Bank Austria, Manner, Humanic sowie Semperit).

In dem Projekt wird untersucht welche verkaufsfördernden Botschaften (Werte, Images, Beweisführungsstrategien, Wunschszenarien) neben den Kaufargumenten in den Filmen mitkommuniziert wurden sowie welche filmischen Strategien zum Einsatz kamen um bei den Sehern Emotionen zu evozieren. Vor Allem jene Filme, bei denen eine solche Emotionalisierung über den Bezug auf national oder regional konnotierte Symbole erfolgte, sollen in den Fokus genommen werden. Die Frage nach dem Zusammenhang von nationaler Identität und Konsumgeschichte ist für Österreich insofern ein interessantes Untersuchungsfeld, als sich ein eigenständiges nationales Bewusstsein in Österreich erst nach 1945, einhergehend mit der Etablierung der Konsumgesellschaft, durchsetzen konnte.

Es sollen in der Arbeit erstmals theoretische Ansätze zu nationalisierender Produktkommunikation einerseits sowie zur emotionalen Involvierung von audiovisuellen Medienrezipienten andererseits zusammengebracht werden. Die Arbeit wird somit einen Beitrag zur Konsum- wie auch zur Mediengeschichte Österreichs leisten.

Die Dissertation erfolgt im Rahmen eines vom FWF geförderten Projektes: http://oesterreichischer-werbefilm.univie.ac.at/

Dissertationsgebiet: Geschichte

Betreuung: Univ.-Prof. Dr. Franz X. Eder

email: mario.keller@univie.ac.at

Johann Karl Kirchknopf

The construction of female and male homosexuality in files of criminal court procedures from the 20thcentury in Austria

Most European States criminalized same-sex acts until the late 20 th century. Historians have already examined in detail the persecution of homosexuals by the Nazi-regime, and they unanimously characterize it as the most intense and atrocious persecution of primarily male homosexuality in Europe throughout the 19th and 20th centuries. Hardly any research, however, has been conducted on the decades before and after the Nazi-period. This constitutes a desideratum especially regarding Austria, where, other than in most European states, female homosexuality was also criminalized.

The anti-Sodomy statute of the Austrian criminal code was permanently in force from 1852 to 1971 (§ 129 Ib Strafgesetzes, RGBl. 117/1852: Fornication against nature with persons of the same sex). Historic research, however, has already detected changes in the practice of this prosecution in the wake of the “Anschluss” 1938. It is the aim of this project, to examine the practice of criminal prosecution for “same-sex fornication” of Austrian courts throughout the 20th century. Therefore files of criminal court procedures from different states of Austria will be studied in order to detect breaklines as well as continuities in this practice in the course of five subsequent political systems.

The study focuses on the governmental practice of sanctioning a certain category of sexual acts. This practice is understood, according to Pierre Bourdieu’s analysis of the juridical field, as a complex social process, which denominates the “act of fornication” and the “lewd subject”. The process of denomination will be examined, therefore, in its complex social context according to Bourdieu’s praxeological approach, and on the basis of the deliberations on sexual desire in front of the courts by the use of discourse analysis (emotional turn) and from a queer-theoretical perspective – sexual desire was determined as a central element of the crime of “same-sex fornication” by the Jurisdiction (mens rea). This combined approach will provide an insight into the complex construction of state regulated sexuality in its multidimensional social context and to detect certain changes in the sexual culture of Austria in the 20th century. 

Dissertationsgebiet: Geschichte

Betreuung: Univ.-Prof. Dr. Franz X. Eder, Ao. Univ. Prof.in Dr.in iur. Ilse Reiter-Zatloukal

email: johann.kirchknopf@univie.ac.at

Lukas Klik

From Australia to Australias: Visions of a Diversifying Nation in the Contemporary Antipodean Novel (working title)

In my PhD project I investigate how contemporary multiperspectival novels from Australia participate in the discursive construction of the nation by challenging the idea of a unified nation and instead offering a multiplicity of Australias coexisting simultaneously. Theoretically, I will therefore mainly draw on the contributions of cultural studies to the theory of the nation, which emphasise that it is marked by internal diversity rather than homogeneity (Hall 2000). The novels under discussion were all published after 2000 and include texts by Indigenous, Anglo-Celtic and non-Indigenous ethnic minority writers. In responding to the growing societal diversification characteristic of the contemporary period, they offer a whole range of stories about national (non)belongings by constructing and representing dominant and marginal groups alike. To underscore that both marginality and dominance are constructed through a variety of different categories of social identity, I will employ an intersectional approach, using the categories of gender, ethnicity, class and sexuality. Methodologically, I will draw on the narratological concept of perspective-structure (Nünning 2001, Surkamp 2003). I believe that the combination of the study of intersectionality on the one hand and the concept of perspective-structure on the other hand is particularly valuable, as both theories and approaches underscore that the ways in which people perceive the world are shaped by a complex interplay of various social identities. In this sense, they provide important theoretical and methodological reference points for studying the nation in narrative fiction.

Dissertationsgebiet: English and American Studies

Betreuung: Univ.-Prof. Dr. Sarah Heinz, Privatdoz.

email: lukas.klik@univie.ac.at

Georg Kö

Straight Photography in Curved Spaces. Prolegomena einer visuellen Kultur- und Mediengeschichte der Ästhetik von Raum und Zeit in der Moderne

Im Zentrum meines Dissertationsprojekts steht die Frage nach den historischen und epistemologischen Möglichkeitsbedingungen der visuellen Ästhetik von Raum und Zeit in der Moderne. Davon ausgehend, dass der Morgenröte der Menschheit - hier als Chiffre für jegliche Form moderner Subjektivierung angeführt - stets eine Morgenröte der Ästhetik vorangehen muss, ist der Gegenstand der Untersuchung nicht das fertige Kulturprodukt im Sinne eines sicheren Wissens oder eines wohletablierten Subjekts der Geschichte, sondern die Produktionsverhältnisse unseres Sehens in raumzeitlichen Dimensionen selbst, welche uns allererst zu einem Zweckurteil gelangen lassen. 

Analytisch eröffnet diese epistemologisch-kulturwissenschaftliche Zugangsweise in meinem Projekt den Rahmen für die Untersuchung konkreter Quellen der visuellen Auseinandersetzung mit den Phänomenen der Welt anhand fotografischer Technik, welche räumliche und zeitliche Strukturen als scheinbare Objektivierungsinstanz sichtbar zu machen vermögen. Zugleich bietet sich die Fotografie aufgrund ihres spezifischen Charakters als technische Produktionsweise von Visualität für meine Fragestellung an, da Sie notwendigerweise stets ihr eigener Sand im Getriebe der Bildgebung ist und nur Gültigkeit hat, also im Sinne Georges Canguilhems über ihre Technik eine Wahrheit feststellen kann, wenn sie sich als Verfahren der Verifizierung - Cassirers Forma Formans - zeigt.

Dies berücksichtigend, lässt sich beobachten, dass sich ab Beginn der Moderne ein strenges Zwei-Komponenten-System normierter Zeitlichkeit und statischer Räumlichkeit in der Wahrnehmung und ihrer Technik etablierte, welches sich ab der Mitte des 19. Jahrhunderts aufzulösen beginnt und schließlich - weit jenseits von Überlegungen der theoretischen Physik - ganz praktisch und alltäglich von Modellen eines raumzeitlichen Verbundes ersetzt wird. Von der pragmatischen Anwendung von Raumzeitlichkeit in den photogrammetrischen Tatortstudien der Wiener Polizei um 1900 zu den avantgardistischen Fotocollagen Ladislav Sutnars der frühen 1930er Jahre z.B. lässt sich eine Dynamik in der diskursive Praxis der Techniken des Visuellen beobachten, die auf einen grundsätzlichen Wandel in der Wahrnehmungswelt der Menschen von der ersten zur zweiten Moderne auf epistemologischem Niveau schließen lässt und diesen mithin auch untersuchbar macht.

Zwischen der Fotografie als Medium, der Wissenschaft und Technik als Instanzen der Ordnung und der Kultur als Praxis wird daher ein Interdependenzfeld angenommen, welches einerseits vorher Ungekanntes sichtbar macht – der wissenshistorische Aspekt meines Projektes –, aber zugleich durch seine Form neue Perspektivierungen im Sehen der Welt allererst denkbar und erfahrbar macht – der Aspekt der Ästhetik. So soll eingedenk unserer eignen hohen ästhetischen Volatilität diskursanalytisch gezeigt werden, wie die Wahrnehmung jener grundlegenden Kategorien von Raum und Zeit sich im Rahmen dieser Formation für immer verändert haben wird.

Als Ergebnis dieser Untersuchung ist – Ansatz und Methode folgend – bewusst keine strukturfunktionale Transformationshierarchie, kein monistisches Programm der Abwicklung von Zustand 1 in Zustand 2 geplant, sondern vielmehr ein dem Ausgangspunkt aller Ästhetik, dem Leben und dem Endzweck von Kultur überhaupt  –  dem Menschen in seiner Freiheit  –  adäquates kaleidoskopisches Zeitbild. 

Dissertationsgebiet: Geschichte

Betreuung: a.o. Univ. Prof. Dr. Reinhard Sieder

email: georg.koe@univie.ac.at

Lena Kornprobst

Die städtische Gesellschaft Splits zwischen venezianischer Herrschaft und osmanischer Bedrohung, 1480-1530

Die Dissertation untersucht die gesellschaftlichen Entwicklungen in der zu Venedigs Stato da Mar gehörenden Stadt Split nach dem Venezianisch-Osmanischen Krieg von 1463-1479 bis ca. 1530. Der Wahl des Zeitraums liegt die Hypothese zugrunde, dass Split sowie die übrigen maritimen Besitzungen Venedigs in dieser Zeit durch die Expansion des Osmanischen Reiches zunehmend in Bedrängnis gerieten und dass dieses Anwachsen des osmanischen Drucks auch zu einem Anwachsen von Spannungen innerhalb der städtischen Gesellschaft Splits führte.

Als Quellenbasis dienen zum einen ediert vorliegende Behördenberichte, aus denen sich der Blick und die Rolle der venezianischen Institutionen herauslesen lassen. Das zentrale Quellencorpus bildet jedoch unediertes und bisher wenig beachtetes Material aus dem kroatischen Staatsarchiv in Zadar, in dessen Beständen sich das kommunale Archiv von Split befindet. Neben zivil- und strafrechtlichen Prozessakten sollen besonders Notarsinstrumente (Heiratsverträge, Kauf- und Pachtverträge, Procuraverträge, Testamente etc.) mit mikrohistorischen Ansätzen sowie mithilfe von Netzwerkanalysen untersucht werden. Dadurch sollen die Quellen nicht bloß inhaltlich und quantitativ beschrieben, sondern die Individuen in ihrem sozialen Umfeld und davon ausgehend persönliche Netzwerke, soziale Bindungen sowie moralische Wertvorstellungen und gesellschaftliche Normen untersucht werden. Eine zentrale Frage ist, wie verschiedene Formen sozialer Bindungen parallel zueinander bestanden und aufeinander einwirkten und welche Rolle ihnen in Konfliktfällen zukam.

Ziel der Dissertation ist somit, die Auswirkungen der prekären makrohistorischen Situation auf das Alltags- und gesellschaftliche Zusammenleben der verschiedenen gesellschaftlichen Schichten Splits zu untersuchen und zu fragen, inwiefern sich eine Zunahme krisenhafter Züge auch auf der Mikroebene der sozialen Beziehungen feststellen lässt.

Dissertationsgebiet: Geschichte

Betreuung: Univ.-Prof. Dr. Oliver Schmitt

Elena Lydia Kreusch

Foto Credits: Franzi Kreis

Circus Mobilities. (Re)Thinking contemporary circus practice from a mobility perspective.

In continuity with earlier circus forms that persist today, the so called Contemporary Circus developed in Europe in the mid 90’s. The contemporary ‘label’ does not only refer to a shift in content, form, aesthetics and socio-economic conditions but also describes a change in modes of mobility, travel patterns and tour volumes.
This phenomena of contemporary circus mobility has hardly been addressed in the academic debate to date.
Conceptualising mobility as an integral part of the circus experience, the research project is therefore interested in examining the interfacebetween contemporary circus artists' mobile lifestyles and their artistic practice; how both are inscribed in one another and mutually influence eachother.
Navigating between theory and praxis, the project aims to make Insights about artistic mobility fruitful for Mobility Studies and Ethnography, to contribute to Theater Studies discourses around Space and Performativity, and to the development and differentiation of emerging circus theories and methodologies.

Elena Lydia Kreusch is DOC Fellow of the Austrian Academy of Sciences, ÖAW/IFK Junior_Fellow,  and associated member of the research platform 'Mobile Cultures and Societies'.

Dissertationsgebiet: Theater-, Film- und Medienwissenschaft (Spezialisierung: Zirkusforschung)

Betreuung: Mag. Dr. Birgit Peter, Priv.-doz.

email: elena.kreusch@univie.ac.at

Nora Kuch

Rituelle Handlungskomplexe im Kontext der Bestattungspraktiken der ägyptischen Frühzeit. Beispiele und Rekonstruktionsversuche anhand der Nekropole von Helwan, Operation 4

Das Gräberfeld von Helwan befindet sich in der unmittelbaren Umgebung von Kairo und ist mit ca. 10.000 erfassten Gräbern die bisher größte bekannte Nekropole der ägyptischen Frühzeit (3300–2500 BCE). Die Nekropole gliedert sich in ein Umfeld ein, das von der antiken Stadt Memphis, dem damaligen wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum Ägyptens, sowie den pharaonischen Grabanlagen wie z. B. Saqqara, oder Giza dominiert wird. Im Vergleich zu diesen Grabanlagen wird jedoch angenommen, dass in Helwan vorrangig Personen einer nicht-königlichen Gesellschaftsschicht bestattet wurden. Davon zeugen die Grabbeigaben (Kleinfunde), deren Bewertung lange Zeit der Prämisse unterworfen war, sie spiegeln die soziale Realität des Bestatteten wider und gäben direkte Auskünfte über Rang, Status oder sogar die Persönlichkeit des Verstorbenen. Der Aspekt, Grabausstattung als gezielte Selektion durch die Hinterbliebenen zu verstehen, blieb dabei allzu oft unberücksichtigt. Das Dissertationsvorhaben verfolgt nun die These, soziale Praktiken der Bestattungsgemeinschaft seien innerhalb des Grabkontextes erkennbar. Dazu wird nun, beeinflusst durch den material turn, die Materialität der Dinge als eigenständige Quelle anerkannt, um so den polysemischen Charakter der Dinge zu erfassen. Dadurch lassen sich vielseitige Verwendungsmöglichkeiten von Dingen aufzeigen, durch die Erkenntnisse über menschliche Gesellschaften erlangt werden können. Demzufolge wird eine Sensibilisierung der Fundinterpretation angestrebt, um über die bisherige Deutung von Beigaben als persönlichem Besitz des Verstorbenen hinaus, die Gruppe der Bestattungsgemeinschaft als aktiv handelnd miteinzubeziehen. Hierzu sollen vertiefend theoretische Konzepte mit der Auswertung archäologischer Fundkontexte zusammengeführt werden, um so über Einzelphänomenen auf lokale Bestattungspraktiken schließen zu können.

Die Dissertation erfolgt im Rahmen eines vom FWF geförderten Projektes:

http://www.univie.ac.at/egyptology/ProjHelwan.html

Dissertationsgebiet: Ägyptologie

Betreuung: Univ.-Prof. Dr. E. Christiana Köhler

email: nora.kuch@univie.ac.at

Barbara Ladurner

Zur Perzeption emotionaler Sprechweisen durch prosodische Merkmale im Deutschen und Italienischen

About the communication skills, which means the capability to produce and receive signs of speech, prosodic features are central to the transfer of relevant information of speech. (Alter 2003: 339) The timbre of the voice shows emotional and physical states of the speaker. Moreover, the timbre serves, like the other prosodic parameter such as intonation, accent, rhythm, volume, duration and pauses, to perform important rhetorical, interpersonal and emotional functions. Often, the way in which something is said, is more expressive than what is said. (Schwitalla 2012: 82) This is why in this thesis the focus lies on the link between emotion and prosody, especially on the perception of emotional speech through prosodic features. That means, it is the percipient to be the centre of attention. This area of research still requires scientific attention. The heart of this thesis consists of an empirical study, which is based on samples of spontaneous speech and questionnaires. It should be explained how different emotions are recognized through prosodic features, which importance they have for the perception of emotional speech and how they are received by the listener. To take differences in sex, mother tongue and profession into consideration, four groups of test persons are required: native speakers of German, native speakers of German with a profession that requires an elaborated ability to speak (e.g. actors, singers, etc.), native speakers of Italian with no knowledge of the German language and native speakers of Italian with a profession that requires an elaborated ability to speak (e.g. actors, singers, etc.).

For this study some of the basic emotions (Kranich 2003), anger and joy, will be examined in German and in Italian. The aim of this thesis is to recognize and to describe possible patterns of the perception of emotions through prosody. The outcome of this research might be important with regard to linguistics, speech science and psychology as well as to bordering disciplines like neurology and language didactics.

Dissertationsgebiet: Deutsche Philologie, Sprachwissenschaft

Betreuung: Univ.-Prof. Mag. Dr. Peter Ernst

email: barbara.ladurner@univie.ac.at

Stephanie Langer

Foto Credits: Stefan Scherhaufer

Obduktion und Leichenschau. Tote Körper in Literatur und Forensik

Wird ein toter Körper aus forensischer Perspektive in den Blick genommen, so steht die Geschichte von dessen Tod und Sterben im Fokus. Die rechtsmedizinische Analyse soll die Antwort auf juristische Fragen – nach der Todesursache, nach dem Tathergang, nach der Schuld des Täters – finden. Das forensische Wissen vom toten Körper partizipiert damit nicht nur am medizinischen, sondern auch am juristischen Diskurs. In der Forensik treffen sich Medizin und Recht am toten Körper und eröffnen einen gemeinsamen Wissensraum. Damit wirken sich Neuerungen, Änderungen im juristischen wie im medizinischen Diskurs auf das forensische Wissen vom toten Körper aus – diesen Änderungen in Goethezeit, Moderne und Gegenwart will die Dissertation dann auch nachgehen. Dabei werden fiktionale und nicht fiktionale Texte gleichermaßen in den Blick genommen, denn beide sind gleichermaßen an der Herstellung von Wissen beteiligt. Dennoch ist Literatur auf andere Weise in der Lage, Wissen zu erproben, es auf seine Brüche, seine Grenzen und Inkonsistenzen hin zu befragen. Gerade indem sie in Szene setzt, auf welche Weise Wissen organisiert ist, kann Literatur sich dem Anspruch auf eine einzige, letztgültige und absolute Wahrheit entziehen und stattdessen die Unsicherheit des Wissens, das am toten Körper gewonnen werden soll, als solche zu lesen geben. Die literarischen Texte von Gottlieb August Meißner, Heinrich von Kleist, Johann Wolfgang von Goethe, Gottfried Benn, Arthur Schnitzler, Patricia Cornwell und Thomas Hettche, die in der Dissertation behandelt werden, loten auf unterschiedliche Weise diese Grenzen und Unsicherheiten aus.

Dissertationsgebiet: Deutsche Philologie

Betreuung: Univ.-Prof. Dr. Eva Horn, Prof. Dr. Maximilian Bergengruen

email: stephanie.langer@univie.ac.at

Elisabeth Lechner

Too much information!? The ‘disgusting’ female body in contemporary popular culture between subversion and commodification

In my dissertation, I want to shed light on the nascent discourse of the ‘disgusting’ female body as part of contemporary popular culture. As hegemonic mainstream culture is often associated with the normalisation and (s)exploitation of female bodies, it is all the more surprising that a plethora of young female artists, performers, authors and media activists uses the notion of the ‘disgusting’ (i.e. hairy, fat, menstrual, etc.) female body to subvert the mainstream from within. It is hypothesized that these artists’ transgressive, but at the same time highly popular and commercially successful multimedia texts and performances (from narrative fiction, (semi)autobiographical essays, TV series, films, drama, art performances to posts on social media sites) play a vital role in establishing a fourth wave of social media led feminism. As I want to look at the complex interplay of feminism, contemporary popular culture and disgust – against the backdrop of the oeuvre of 2nd wave feminists like Valie Export or Carolee Schneemann – I need a theoretical back-up rich enough to address each of the three intersecting fields. Thus, to grasp the complexities of the field, I will use an interdisciplinary theoretical approach consisting of a) gender and body studies, b) disgust theory and c) theorising on the history of feminism. Regarding methodology, I will undertake a critical discourse analysis including a broad variety of texts/performances from different genres to show the manifold ways in which disgust is represented/negotiated/celebrated and rejected in popular culture today. When actually analysing the specific texts, genre-specific methods of analysis will be applied: narratology and close readings for narrative texts, multimodality theory for combinations of (moving) images and texts and mise-en-scène analysis for TV productions, films or drama.

Dissertationsgebiet: English and American Studies

Betreuung: Ao. Univ.-Prof. Dr. Monika Seidl

email: elli.lechner@univie.ac.at

Lars-Dieter Leisner

The Married Couple as a Working Couple in Early Modern Diplomacy. Gender Roles between Court Society and State Affairs

My dissertation-project connects the fields of early modern diplomatic history and gender history through the focus on ‘diplomatic couples’ who formed not just a married but also a working alliance. Based on the concept of the ‘working couple’ by Heide Wunder that ascribes both parts of the married couple a relevant share in private as well as in work related issues this concept will be implemented in the early modern diplomatic history systematically for the first time. Looking at the diplomats of the Holy Roman Emperor during the 17th and 18th centuries my thesis aims to reevaluate the current perception regarding the functioning and structures of early modern diplomacy and its inherent gender roles. By implementing an actor-centered approach that is based in the concept of network analyses, the personal networks of the working couples will be reconstructed unveiling the informal connections between the actors. In doing so the – seemingly natural – factor ‘gender’ is understood as a question of social performance and will be put in relation to other categories of difference as a ‘multi-relational category’. Until today gender history of early modern diplomacy is focused solely on the female agents. Therefore, the examination of the diplomatic couple as a working couple generates a combining approach that includes both parts of the couple in an equal way, thus resolving an essential desideratum and at the same time providing an important input to the understanding of early modern society as a whole.

Dissertationsgebiet: Geschichte

Betreuung: Univ.-Prof. Dr. Dorothea Nolde

Christoph Leschanz

Die gesellschaftliche Konstruktion des Autors/der Autorin: Über die Akkumulation symbolischen Kapitals zur Durchsetzung im literarischen Feld

Ziel der Dissertation ist die umfassende interdisziplinäre Untersuchung der erstmaligen Durchsetzung und Etablierung neuer Autorpositionen junger Schriftsteller/innen mithilfe literatursoziologischer, medienwissenschaftlicher und komparatistischer Analyseinstrumente. Für die Untersuchung der erstmaligen Durchsetzung im literarischen Feld wird dabei auf die Analysewerkzeuge der Feldtheorie Pierre Bourdieus zurückgegriffen. Die Frage nach der Funktionsweise des Anerkennungsprozesses, der schließlich zur Etablierung einer anerkannten Autorposition führt, kann jedoch nicht allein durch eine einzige Disziplin hinreichend beantwortet werden. Es müssen stattdessen, ganz im Sinne der Idee postsouveräner Autorschaft, die verschiedenen Variablen der gesellschaftlichen Autorkonstruktion durch interdisziplinäre Forschung herausgearbeitet werden. Vor diesem Hintergrund werden mithilfe aktueller Forschungsergebnisse aus der Soziologie, Literaturwissenschaft, Philosophie und Medientheorie die Quellen symbolischen Kapitals ausfindig gemacht sowie die Kapitalakkumulation systematisch analysiert. Die Feldtheorie fungiert hierbei als strukturierende Schnittstelle zwischen den verschiedenen Ansätzen und Disziplinen. Zudem werden in vergleichenden Fallstudien zu einzelnen Autoren und Autorinnen (aus dem österreichischen literarischen Feld zwischen 1950 und 1975) die jeweiligen Positionierungsstrategien gegenübergestellt, um die Besonderheiten der Wirkungsweise des symbolischen Kapitals forschungspraktisch darstellen und konkretisieren zu können. Die vier Fallstudiengruppen widmen sich dabei jeweils schwerpunktmäßig unterschiedlichen Bereichen der symbolischen Kapitalakkumulation, wie zum Beispiel der medialen (Selbst-)Inszenierung oder der intermedialen Verflechtung. Die in den Fallstudien gewonnenen Erkenntnisse dienen schließlich einerseits dazu, die theoretischen Annahmen des ersten Teils zu vervollständigen und zu konkretisieren sowie einen Beitrag zur bisher äußerst spärlichen literatursoziologischen Forschung zum österreichischen literarischen Feld zu leisten.

Dissertationsgebiet: Vergleichende Literaturwissenschaft

Betreuung: Univ.-Prof. Dr. Norbert Bachleitner

email: christoph.leschanz@univie.ac.at

Nadia Linder

Form and Structure of the Lexical Series DIRI : (w)atru(m). Semiotic and Cognitive Approaches to the Construction and Transmission of Meaning and Knowledge in Ancient Mesopotamian Scribal Tradition

Das Thema der Dissertation ist eine beinahe 4.000 Jahre alte bilingue Enzyklopädie aus dem alten Mesopotamien namens DIRI : (w)atru(m). Teil der sog. “lexikalischen Listen”, welche für die Kanonisierung und Tradierung von Wissen im Alten Orient von eminenter Bedeutung waren, listet DIRI : (w)atru(m) komplexe Kompositgrapheme der sumerischen Keilschrift und ihre akkadischen “Gleichungen” auf. Diese Kompositgrapheme bestehen aus 2-7 einzelnen Keilschriftgraphemen; der phonetische Wert eines solchen Kompositums kann nicht aus den möglichen phonetischen Werten der Einzelgrapheme erschlossen werden. Vielmehr scheinen semantische und graphemische Aspekte eine hervorragende Rolle zu spielen. Neben einer Erschließung der semantischen Grundlagen der Keilschriftgrapheme geht es in der Arbeit vorrangig um die dem Text (der bislang unbearbeitet blieb da kein offensichtliches Ordnungsprinzip vorhanden zu sein scheint) zugrundeliegende Struktur. In der Arbeit argumentiere ich, daß durchaus eine Struktur vorhanden ist, diese jedoch in unterschiedlichen semiotischen Schichten angeordnet ist, welche ohne genaue Kenntnis sowohl der graphemischen als auch der phonetischen und semantischen Ebene nicht offensichtlich werden. Unter der oberflächlichen Baumstruktur der Liste erstreckt sich ein Rhizom aus mannigfaltigen Relationen, die den vielschichtigen Charakter der Wissenstransmission und Konstruktion von Epistemen im alten Orient widerspiegelt. Neben der historisch-philologischen Bearbeitung des Primärtextes werden Methoden der kognitiven Semantik und kognitiven Linguistik sowie Semiotik angewandt, um einen maximalen Erkenntnisgewinn zu erzielen. Das Ziel besteht darin, die der Liste zugrundeliegende Ordnung offenzulegen und den graphemisch transportierten semantischen Gehalt der Keilschrift als valide Form der Informationsübertragung zu (re-)etablieren.

Dissertationsgebiet: Altorientalische Philologie und Orientalische Archäologie

Betreuung: Prof. Dr. Gebhard J. Selz

email: nadia.linder@univie.ac.at

Stefanie Linsboth

Religiosität und Frömmigkeit in der visuellen Herrscherrepräsentation Maria Theresias (1740–1780)

Maria Theresia wurde während ihrer Regierungszeit (1740–1780) in der Tradition habsburgischer Herrscherdarstellungen wiederkehrend als fromme und gottgläubige Herrscherin porträtiert oder durch die Einbindung ihrer Gesichtszüge in Heiligendarstellungen als Heilige visualisiert. Die Dissertation beschäftigt sich mit religiösen Kunstwerke der Epoche Maria Theresias und geht der Frage nach, welchen Anteil Religion und Frömmigkeit in einer Epoche kirchlicher Transformationsprozesse an der Herrscherrepräsentation hatten. Da Maria Theresia die habsburgischen Frömmigkeitstraditionen nicht einfach weiterführte, sondern neue Impulse setzte und Kirchenreformen vorantrieb, sollen die Auswirkungen auf die bildliche Präsenz der Pietas Austriaca – der dynastisch verstandenen Herrschertugend des Hauses Habsburg – und die visuelle Vermittlung des damit verbundenen habsburgischen Gottesgnadentums untersucht werden. Es gilt festzustellen welche religiösen Themen, Heiligen oder biblischen Figuren für welche Darstellungen herangezogen wurden, welche Verehrungstraditionen und Bedeutung diese im 18. Jahrhundert besaßen und wie sie sich in die habsburgische Heiligenverehrung eingliederten. Religiöse Kunst ist im Rahmen der Herrschaftsvisualisierung als Kommunikationsmittel zu verstehen und die beteiligten Akteur/innen (Auftraggeber/innen, Künstler/innen) sind ebenso zu berücksichtigen, wie der Betrachterkreis, für den die Altargemälde, Andachtsgrafiken, Deckenfresken oder Skulpturen geschaffen wurden.

Eingebunden ist die Dissertation in das FWF-Projekt „Herrscherrepräsentation und Geschichtskultur unter Maria Theresia (1740–1780)“, das derzeit unter der Leitung von Univ.-Doz. Dr. Werner Telesko am Institut für kunst- und musikhistorische Forschungen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften durchgeführt wird.

Dissertationsgebiet: Kunstgeschichte

Betreuung: Univ.-Prof. Dr. Sebastian Schütze

email: stefanie.linsboth@univie.ac.at

Egor Lykov

Güterverkehrsgeschichte des Gouvernements Saratov an der Schwelle zum 20.  Jahrhundert im Spiegel der Wirtschaft und Gesellschaft

An der Schwelle zum 20. Jahrhundert (ca. 1890 – 1914) war das Gouvernement Saratov eine der landwirtschaftlich entwicklungsstärksten Regionen Russlands und produzierte erhebliche Überschüsse an diversen Getreidesorten (Weizen, Roggen, Hafer u.a.) und Mehl. Zugleich war das Gebiet auf Importe von Salz, Erdöl, Petroleum, Kohle, Brenn- und Bauholz angewiesen, was einen regen Ausbau der Güterbeförderung erforderte. Das trug wesentlich dazu bei, dass sich die Gouvernementshauptstadt Saratov zu einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt und Sitz von Bahn- und Schiffsverkehrszentralen herausbildete und sich in der Stadt die administrativen Funktionen verdichteten. Dadurch fanden die in Saratov getroffenen Entscheidungen nicht nur lokale Ausstrahlung, sondern auch prägten verkehrswirtschaftliche Abläufe in weiten Teilen des europäischen Russlands. Das Vorhaben schlägt eine Brücke von der Verkehrsgeschichte zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte und diskutiert Gestaltung und Funktionieren des Verkehrssystems des russischen Gouvernement Saratov 1890-1914. Dies wird anhand der Fragestellungen behandelt, welche Anforderungen ans Verkehrssystem gestellt wurden, was das Verhältnis zwischen Schiffs- und Eisenbahnverkehr (Konkurrenz, Komplementarität) prägte und wie diese Konstellationen die Warenströme beeinflussten. Die durch quantitative Analyse statistischer Materialien gewonnenen Daten werden in Kontext der Theorie der zentralen Orte (W. Christaller) und der Standorttheorie (J.H. v. Thünen) gestellt. Als Grund für den regen Ausbau der Güterbeförderung wird der Wandel des Verkehrssystems in der Region angesehen, der sich in erster Linie durch wirtschaftliche Beziehungen zu ausländischen Bahnunternehmen und Wissenstransferprozesse aus dem Ausland vollzog. Diese Beziehungen und Prozesse werden nach sozialwissenschaftlichem Ansatz Social Construction of Technology (Pinch, Bijker) analysiert. Als Quellen dienen unveröffentlichte Materialien aus dem Gebietsarchiv Saratov, sowie gedruckte Reichs-Statistiken, Gesetze und Verordnungen.

Dissertationsgebiet: Osteuropäische Geschichte

Betreuung: Univ.-Prof. Mag. Dr. Wolfgang Mueller

Stephan Friedrich Mai

Biographical Experience and the Formation of Diplomatic Theory: The Example of Abraham de Wicquefort (1606-1682)

Retracing his biography, the project analyzes how Wicquefort thought about early modern society and its structures in general and its diplomacy in particular. What were his reasons to write about diplomacy? Why was he trying to find a solution to the problem of diplomatic immunity although similar treaties dealing with the matter already existed? Why did his work, especially “The Ambassador and his Functions”, became so famous, and wherein are we today still influenced by his thoughts on diplomatic immunity?

On a broader level, the project aims to demonstrate that diplomatic practice and theory are indeed not separated. Scholars such as Hubert Languet, Jacques Bongars, Ezechiel Spanheim or the famous Hugo Grotius were working as diplomats, too. Why were only Grotius and Wicquefort writing on the law of nations? Family, career, the international society of scholars known as the republic of letters, social networks and the function as a political and cultural intermediary will be analyzed to answer these questions and to serve as indicators for further research on this topic.

Further informations:

http://www.univie.ac.at/Geschichte/htdocs/site/arti.php?artiid=91024

Dissertationsgebiet: Geschichte

Betreuung: Univ.-Prof. Dr. Dorothea Nolde, apl. Prof. Dr. Sven Externbrink

email: stephan.mai@univie.ac.at

Julia Malle

„An der Grenze denken – Diversität lesen“ – Fachdidaktische Strategien an der Schnittstelle von Queer-, Postcolonial- und Disability Studies

Das geplante Dissertationsvorhaben setzt sich zum Ziel, ein in der Sekundarstufe I und II einsetzbares und diversitätssensibles Analyseinstrument für den Leseunterricht im Fach Deutsch vorzuschlagen. Hierbei soll der Frage nachgegangen werden, wie intersektional motivierte Ansätze im Literaturunterricht eingesetzt werden können, um Schüler_innen zu befähigen, ihre individuellen Handlungsräume zu erweitern und Identitätsmuster kritisch zu hinterfragen. Dazu knüpft die Dissertation an rezente Debatten in Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften im Themenbereich diversity an und untersucht u.a., wie auf literarischer Ebene Zuschreibungen erfolgen, die wiederum Auswirkungen auf die Konstruktion von hegemonialer Macht und hierarchisierter Alterität zur Folge haben.  

Ausgehend von der These, dass sich dekonstruktive Lesarten im besonderen Maße dazu eignen, Diversität auszuhandeln, soll besprochen werden, wie insbesondere Theorien aus den Queer-, Postcolonial- und Disability Studies in didaktische Kontexte übersetzt werden könnten. Ein diversitätssensibler Leseunterricht könnte jedenfalls die Verschränkung diverser Macht- und Differenzstrukturen in den Blick nehmen und sich von jeder essentialistischen Auffassung von Identität(en) distanzieren. Die geplante Arbeit möchte dazu beitragen, diesen Schritt zu unternehmen. Ob dabei antikategoriale Konzepte (Tuider) oder ein strategischer Essentialismus (Spivak) vorzuziehen sind, muss geklärt werden.

Dissertationsgebiet: Deutsche Philologie

Betreuung: Univ.-Prof. Dr. Stefan Krammer

email: julia.malle@univie.ac.at

Alexander Marx

Die Idee des Heiligen Landes. Zwischen Zisterziensern, Bibelexegese und Gewalt

My project is dealing with the preaching of the crusades, in particular with the Third Crusade (1187-92), which was caused by the loss of the relic of the so-called True Cross in the Battle of Hattin (July 1187) and the conquest of Jerusalem (October 1187). The preachers who are active here are mainly Cistercians and Paris Masters around the important reformer Peter the Chanter (ca. 1130-97). It might seem surprising, but there is not much work on crusading sermons yet, since scholars have mostly focussed on the chronicles, which narrate the events in the aftermath, and since the sermons do pose several methodological challenges. Studying texts written prior to a crusading venture means that I am dealing with the notions, expectations, and motivations, which encouraged thousands of people to take the cross and to travel to the East despite the high financial and organisational burdens and despite the threat for one’s life. From a modern rational point of view, it did not make much sense to go on a crusade. Therefore, the motivations for these ventures have to be located in the sphere of the cultural-religious. Looking into the sermons, one recognizes a vast use of different biblical items (explicit quotations, use of images and metaphors etc.). Their use aims at imagining the distant Holy Land, constructing a perfidious enemy, and formulating several ideas about the obligatory character of the crusade. In order to interpret the given evidence, I do compare the crusading sermons with other text-genres. These are in particular (1) biblical commentaries, commenting explicitly on those motifs present in the sermons, and (2) preaching aids, which aimed at helping the more uneducated preachers (especially the lower clergy). Such aids were developed in the early universities, especially in Paris. With this approach, I intend to locate the crusades within the broader cultural sphere of contemporary Christianity as well as to contribute to the understanding about the causes for crusading and religiously motivated violence.

Dissertationsgebiet: Geschichte (Mittelalter)

Betreuung: Univ.-Prof. Dr. Philippe Buc

email: alexander.marx@univie.ac.at

Sophie Mayr

Foto Credits: Ingo Pertramer

Erzählmethoden der Autorinnen-Biographie am Beispiel der Fotografie

Das Dissertationsprojekt „Erzählmethoden der Autorinnen-Biographie am Beispiel der Fotografie“ untersucht Rolle und Funktion von Fotografien in den Biographien von Autorinnen des 20. Jahrhunderts, denn diese beeinflussen die Rezeption und prägen das Image der porträtierten Autorin genauso wie allgemeine Sichtweisen darüber, was eine Schrifstellerin ausmacht. Es verknüpft dabei Biographieforschung, Bildwissenschaft und Gender Studies zur Analyse der Fotografien in Biographien und deren Wirkungsmacht im Hinblick auf gängige Autorinnen-Konzepte und Stereotype.

Die Biographie ist – im Unterschied zu Formen der Fiktion – ein referentieller Text. Sie erhebt also den Anspruch, auf eine außertextuelle Realität zu verweisen (Lejeune 1994, S.39-40). Nach Roland Barthes ist die Grundaussage von Fotografie „Es-ist-so-gewesen“ (Barthes 1989, S.87), sie beweist gewissermaßen die Existenz der gezeigten Person. Der Bezug zur außertextuellen Realität wird in Biographien durch die Verwendung von Fotografien hergestellt und gleichzeitig verstärkt. Hier wird ein Widerspruch sichtbar: Obwohl der Fotografie in der Biographie Evidenzcharakter zugesprochen wird, wird ihr dennoch nicht zugetraut, für sich alleine zu stehen, sondern sie wird von Texten begleitet, die beschriften und beschreiben. Diesen Text-Bild-Kombinationen widmet sich die Dissertation. Von besonderem Interessen sind dabei jene Fotografien, die in mehreren Biographien abgedruckt sind. Bezugnehmend auf Richard Holmes 2004 entstandenem Konzept der „Comparative Biography“, also dem Vergleich mehrerer Biographien über eine Person, kann durch die Unterschiede in der Beschriftung und Beschreibung der Fotografien gezeigt werden, wie eine bestimmte Version der Autorin entworfen wird.  

Dissertationsgebiet: Vergleichende Literaturwissenschaft

Betreuung: Univ. Prof. Dr. Achim Hölter, Univ. Prof. Dr. Wilhelm Hemecker

Email: sophie.mayr@univie.ac.at

Gunnar Mertz

Politische Mythen im Österreichischen Gebirgsverein

Im 1890 gegründeten Österreichischen Gebirgsverein setzte sich radikaler Antisemitismus bereits vor dem „Anschluss“ 1938 durch. Schon vor dem Ersten Weltkrieg wurden Jüdinnen und Juden die Mitgliedschaft verwehrt und seit 1920 vertrat man mit der Einführung eines „Arierparagraphens“ die Ausgrenzung in den Statuten. Der Gebirgsverein kooperierte mit Vorgängerorganisationen der NSDAP und gewährte nach 1933 getarnten Gruppen der illegalen Hitlerjugend Unterschlupf. Durch den „Anschluss“ wurde der „Ostmärkische Gebirgsverein“ ein Zweig im „Deutschen Alpenverein“, auch wenn die Eingliederung nur zu geringen personellen Veränderungen führte. Der Vereinsführer wurde als Präsidialvorstand ins Wiener Rathaus berufen und diente sich wie andere Funktionäre dem neuen Regime an. Die Rolle von Hass und Intoleranz in der Institution wurde nach 1945 verdrängt und sie befasst sich erst jetzt mit der Aufarbeitung der Geschichte. Für die Untersuchung wird die historisch-kulturwissenschaftliche Mythosforschung herangezogen. Ein politischer Mythos ist eine sinnstiftende Erzählung, mit der Unbekanntes oder schwer zu Begreifendes vereinfacht erklärt wird. Die Studie soll zeigen, wie die schwer fassbaren Ereignisse und Prozesse der Beraubung, Vertreibung und Ermordung sowie die Verstrickung der eigenen Idole im Nationalsozialismus in mythische Erzählungen verpackt wurden und wie diese vereinfachten Deutungen im kollektiven Vereinsgedächtnis weitergetragen und nuanciert werden. Mit dem methodischen Ansatz von Heidi Hein-Kirchner werden die Funktionen, Typologien und Inhalte von politischen Mythen nicht nur vertikal, also chronologisch, sondern ebenso mit einer horizontalen Perspektive einzelner Zeitabschnitte analysiert. In Verbindung mit der Auswertung von Primärquellen zur Organisationsgeschichte soll die Dissertation einen Beitrag zur Erforschung von Geschichtspolitik, Erinnerungskultur und Gruppenidentität im Nationalsozialismus und in der Nachkriegszeit liefern.

Dissertationsgebiet: Geschichte

Betreuung: Univ.-Prof. Mag. DDr. Oliver Rathkolb, ao. Prof.in Mag.a Dr.in Johanna Gehmacher

email: gunnar.mertz@univie.ac.at

Christian Moritz-Bauer

Das sinfonische Schaffen Haydns und seine Beziehung zum zeitgenössischen Theaterwesen

Von 1769 bis 1790 gastierten auf den fürstlichen Theaterbühnen von Schloss Eszterháza (zunächst zwischen Mai und Oktober, später bereits ab Beginn der Fasten) alljährlich wandernde Schauspieltruppen, um Ballettpantomimen und Singspiele, vornehmlich aber Werke des Sprechtheaters aufzuführen, deren Akte üblicherweise von Instrumentalsätzen eingerahmt wurden.  Die Beschaffung dieser Musikstücke war Aufgabe des regierenden Fürsten bzw. seines Hofkapellmeisters Joseph Haydn, den die pro anno erscheinenden Theaterkalender fortan zum „Musikdirektor“ der aktuell bzw. künftig zu Eszterháza spielenden Gesellschaften deklarierten. Inwiefern sich aus dieser Konstellation eine bis zum Beginn des allabendlichen Repertoirebetriebs im Frühjahr 1776 erstreckende, überaus kreative Zusammenarbeit zwischen Haydn und seinen theatermachenden Kollegen entwickeln und was mit deren Erträgen auf kompositorischer Ebene in weiterer Folge geschehen sollte, darf mit Fug und Recht als eine wesentliche Forschungsfrage bezeichnet werden. Einen auf die Dichte wie Qualität der gemeinsamen Produktion bezogenen Höhepunkt scheinen dabei die Jahre ab 1772 darzustellen, in denen sich Carl Wahr als Impresario für das sommerliche Theaterprogramm verantwortlich zeichnete. In eben jene Zeit fällt auch die Entstehung und frühe Aufführungsgeschichte von Haydns Musik zu Der Zerstreute (OT: Le distrait), einer Komödie von Jean-François Regnard. Als Sinfonia per la Comedia intitolata il Distrato überliefert, wurde in ihr der erste und nach wie vor einzige für gesichert angesehene Fall einer Schauspielmusik erkannt, die bereits zu Lebzeiten des Komponisten als eine seiner Konzertsinfonien eine nicht unwesentliche Verbreitung erfuhr.

Tatsächlich lassen sich im sinfonischen Schaffen Joseph Haydns aber nicht nur dieser eine, sondern vielmehr eine ganze Reihe von Fällen umgewidmeter Schauspielmusiken wiederentdecken und entsprechenden Dramentexten sowie dazugehöriger Kompositions- und (späterer) Aufführungsanlässe zuordnen. Diese im Zuge umfassender Literatur- und Quellenstudien gewonnene Erkenntnis in die traditionell überwiegend positivistisch geführte Haydn-Forschung  einzubringen und dadurch einer musikausübenden wie -rezipierenden Öffentlichkeit neue Perspektiven vermitteln zu können, hat sich die vorliegende Arbeit zum Ziel gesetzt.

Angesichts der im Bereich der musikalischen und anderer das Theaterwesen am Hof der Esterházy beleuchtender Quellen durchwegs problembehafteten Überlieferungssituation muss sich der beschriebene Zuordnungsprozess vornehmlich im Rahmen einer zwischen Musik- und Theaterstücken vergleichenden Textanalyse bewegen. Auf diese Weise wird – im Sinne einer (philosophisch geprägten) Hermeneutik – ein Verstehensprozess von der Intention des Autors im Rahmen seiner kompositorisch-künstlerischen Tätigkeit hin zur ästhetischen Wahrnehmung und Rezeption aus Sicht der einstigen Hörerschaft in Gang gesetzt. Dank eines Modells, dass sich auf die Ergebnisse des Salzburger Forschungsinstituts für musikalische Hermeneutik wie auch den musikanalytischen Ansatz der Topic Theory in der Tradition Leonard A. Ratners stützt, ließen sich  im Zuge der Erschließung des Forschungsgegenstandes bereits einige weitere Schauspielmusiken   Haydns ausfindig und ihrer einstigen Bestimmung entsprechend in umfassender, methodisch abgesicherter Weise zugänglich machen. Es handelt sich dabei um den (wohl weitgehend unverändert gebliebenen) Notentext der Sinfonien in A-Dur, Hob. I:65 und F-Dur, Hob. I:67, das „La Roxolana“ betitelte Allegretto aus der Sinfonie in C-Dur, Hob. I:63 sowie die Sätze 1-3 einer weiteren (vergleichsweise früh entstandenen) A-Dur-Sinfonie, Hob. I:28.

Dissertationsgebiet: Musikwissenschaft

Betreuung: Univ.-Prof. Dr. Birgit Lodes

Christof Muigg

Two sides of the same coin. Military and diplomatic practice in the early modern Habsburg Monarchy. 1650-1699

In my project, I examine the relationship of the military with diplomacy in Early Modern Europe. While it was customary for noble military commanders to be send on diplomatic missions, an analysis of the phenomenon of the soldier-diplomat is as much a lacuna in scholarly literature as the daily practice of military commanders in the given period in general. Employing case studies of exemplary high-ranking military commanders in the 17th century Habsburg Monarchy, I discuss in what way a noble habitus represented a basic qualification for both the military and diplomacy. Specific patterns and factors in the diplomatic practice of noble military commanders will thus be identified and compared to their military practice. In an actor-centred perspective I use correspondences, diplomatic relations, military campaign reports, memoirs and diaries as accounts of self-testimony beside diplomatic instructions to empirically clarify this resemblance. Furthermore, the mentioned sources will be contrasted by early modern treatises on warfare, diplomacy and the nobility as well as by literature on medical theories like the Four Temperaments (Galen). The concepts and ideas we find in these literary works provided a cultural frame of reference for norms and expectations, which were intrinsically linked to imaginations like that of the ideal commander or the ideal ambassador. Analytical categories such as honour, reputation, social status and ethnicity will serve as methodological tools to read the source material. My aim is to create a synthesis of contemporary notions, perceptions and representations of the modes in which the military and diplomacy were related to each other, which was relevant for practices of war-making and peace-making in a period of European History characterized by its bellicosity.

Dissertationsgebiet: Geschichte

Betreuung: Univ. Prof. Dr. Dorothea Nolde

email: christof.muigg@univie.ac.at

Bernhard Oberreither

Materialität und Fetischismus in der Prosa Paulus Hochgatterers

Die Prosa Paulus Hochgatterers (*1961) zeichnet sich durch eine hohe Zahl an ‚korrupten‘, an fetischistischen Verhältnissen zwischen Mensch und materiellem Ding aus. Diesen Fetischismen stehen ein hoher Grad an theoretischer Reflektiertheit der Texte sowie hohe Anschlussfähigkeit an die betreffenden Fetischismus-Diskurse gegenüber. Die Dissertation setzt Hochgatterers Prosa in den Kontext dieser Diskurse aus Ethnographie/Religionswissenschaft, Sozialökonomie und Sexualpathologie.

Zum einen wird damit einem Spezifikum der behandelten literarischen Texte Rechnung getragen; zum anderen lassen sich diese dadurch als Reflexionen auf die Diskursgeschichte des Fetischbegriffs sowie als Kommentar zu gegenwärtigen Verhandlungen des Fetischismus lesen. Im Modus einer ‚dichten Beschreibung‘ werden den Primärtexten repräsentative Texte aus den betreffenden Fetischdiskursen ebenso zur Seite gestellt wie fetisch-‚affirmative‘ Texte aus einem Korpus an populären Magazinen, Zeitschriften, Sachbüchern.

Die These ist, dass Hochgatterers Prosa als zwiespältiger Kommentar auf das Verklingen antifetischistischer Argumentationsmuster, auf die ‚Entspannung‘ (Hartmut Böhme) im theoretischen Umgang mit dem Fetischismus zu lesen ist; dass in der Ratio der jeweiligen Texte der Aburteilung des Fetischismus ebenso wenig das Feld überlassen wird wie der voreiligen Niederlegung einer kritischen Aufmerksamkeit. Ein weiterer Befund betrifft die implizite meta-diskursive Stellungnahme der Texte: Das analytische Potenzial der angespielten Diskurse (prominent der Psychoanalyse) wird in Frage gestellt; zugleich werden sie poetologisch gewendet und dadurch auf ihr Potenzial als kulturelle Bildspender verwiesen.

Dissertationsgebiet: Deutsche Philologie

Betreuung: Univ.-Prof. Dr. Konstanze Fliedl

E-Mail: bernhard.oberreither@univie.ac.at

Birgit Ortmayer

Genus, Genusmarkierung und Genuskongruenz im Inselskandinavischen in diachroner Perspektive

Während sich in den festlandskandinavischen Sprachen (Dänisch, Norwegisch, Schwedisch) weitgehend ein Zwei-Genus-System (Utrum-Neutrum) etablieren konnte, haben die inselskandinavischen Sprachen (Isländisch, Färöisch) das ursprüngliche Drei-Genus-System (Maskulinum-Femininum-Neutrum) bewahrt. Nichtsdestotrotz gibt es auch im Inselskandinavischen erste Anhaltspunkte für eine Weiterentwicklung des Genussystems (z.B. durch Zusammenfälle von Maskulinum und Femininum in manchen Kasus).

Neben einer gründlichen Beschreibung des inselskandinavischen Genussystems hinsichtlich Genuszuweisung, Genusmarkierung und Genuskongruenz stehen vor allem Hinweise auf mögliche Veränderungen (z.B. Genuszusammenfall) im Zentrum des Dissertationsvorhabens. Die Ergebnisse aus dieser Untersuchung werden mit früheren, noch archaischen, Sprachstadien des Festlandskandinavischen verglichen, wodurch ein tieferes Verständnis für allgemeine Prozesse der Genusreduktion erlangt werden soll.

Das Arbeitsvorhaben selbst beginnt mit einer theoretischen Einführung, an deren Ende die Entwicklung eines eigenen, für das Insel- und Festlandskandinavische anwendbaren, Genusmodells basierend auf gängigen Theorien zur Etablierung der Anzahl der Genera stehen soll. In der anschließenden Untersuchung werden die (insel-)skandinavischen Flexionssysteme hinsichtlich der Kategorie Genus miteinander verglichen und in Bezug auf ihr Vereinfachungspotenzial analysiert. Dem liegt die Annahme zugrunde, dass ein Verlust der Genusmarkierung (und damit der Genuskongruenz) letztendlich auch zu einer Genusreduktion führen kann. Eine Korpusanalyse anhand ausgewählter färöischer und isländischer Texte soll Ergebnisse aus dem tatsächlichen Sprachgebrauch beisteuern.

Dissertationsgebiet: Skandinavistik

Betreuung: ao. Univ.-Prof. MMag. Dr. Roger Reidinger

email: birgit.ortmayer@univie.ac.at

Catherine Brooke Penaloza Patzak

Instituting Anthropology: The Circulation of Scientists and Ethnographic Materials Between North America, Germany and Austria, 1883-1933

The objective of this project is to examine the impact of the circulation of, and exchanges with, German-speaking scientists on the practice and institutionalization of American cultural anthropology in the museological and academic contexts. Research will focus on migrants, their networks and the circulation of ethnographic materials to explore the dynamics of social and cultural continuity or change through analysis of the circulation of scientists and ethnographic collections. The project’s premise is that the circulation of scientists and that of ethnographic objects are of comparable utility for interpreting the development and institutionalization of the field. To this end, the project has a double focus, first: scientists active in North America, Germany, and Austria from 1873-1933, and second: two major Northwest Coast ethnographic collections that have circulated between the American Museum of Natural History (AMNH), New York, the Museum für Völkerkunde (now the Ethnologisches Museum der Staatlichen Museen zu Berlin), Berlin, and the Naturhistorisches Museum/Museum für Völkerkunde (now Weltmuseum), Vienna.
The project draws upon scientific collections and publications from the above named institutions in order to establish their function as tools for the analysis of intercultural transfer in the museological and academic spheres, to determine the sociopolitical and professional agendas of migrant social scientists and their American supporters, and to analyze the role of exchange networks in effecting scientific change and/or continuity. Research builds upon a transdisciplinary body of work that includes writings by historians of science, anthropology and migra-tion, as well as work by museologists and anthropologists on the histories of their disciplines.

Dissertationsgebiet: Geschichte

Betreuung: o. Univ.-Prof. Dr. Mitchell Ash, Prof. Dr. Christian Feest

email: penaloza.patzak@univie.ac.at

Andreea Petruescu

Bäuerliche Rebellion gegen den modernen Staat. Der Stilismus in Rumänien in der Zwischenkriegszeit

In meinem Dissertationsprojekt beschäftige ich mich mit der Geschichte einer bäuerlichen Rebellion gegen die moderne Staatlichkeit im Rumänien der Zwischenkriegszeit. Nach dem Ersten Weltkrieg hat sich in Rumänien sowohl die Fläche als auch die Einwohnerzahl mehr als verdoppelt. Man kann aber nicht von einem einheitlichen Nationalstaat sprechen, denn der junge Staat hatte noch einen Nationalisierungsprozess vor sich. Vor allem in peripheren Gebieten wie im ehemals russischen Bessarabien, wurde versucht, unter der ländlichen Bevölkerung ein Nationalbewusstsein zu entwickeln.

Konkret geht es in dieser Arbeit um die Frage nach der Akzeptanz der neuen nationalen Identität und der Modernisierungsmaßnahmen durch die ländliche Bevölkerung. Wie wurden Modernisierung- und Nationalisierungsmaßnahmen vermittelt und was passierte, wenn die Bevölkerung diese nicht verstand und sie ablehnte? Es wird untersucht, wie ein aus dem Westen importiertes Kulturgut, nämlich der gregorianische Kalender, zum Anlass für die Entstehung eines der letzten traditionellen bäuerlichen Aufstände gegen die moderne Staatlichkeit wurde. Was für den rumänischen Staat eine symbolische räumlich-zeitliche Verschiebung des Siegerstaates "Großrumänien" nach Westen bedeutete, stellte für die ländliche Bevölkerung eine elementare Bedrohung ihres Glaubens dar. Durch die Analyse eines breiten Spektrums an Archivmaterial, bestehend unter anderem aus Akten der Gendarmerie, der Geheimpolizei und der unterschiedlichen Ministerien, betrachtet diese Arbeit die komplizierte Wechselbeziehung zwischen Nationalisierung und Modernisierung.

Dissertationsgebiet: Geschichte

Betreuung: Univ.-Prof. Dr. Oliver Schmitt

email: andreea.petruescu@univie.ac.at

Andreas Pfützner

Der Zivilisationsraum Europa in jüdischer Perspektive (1848-1914) – Ein transnationaler Liberalismus jenseits von Ost und West?

Bei meinem Projekt handelt es sich um eine transnational-vergleichende Studie zur diskursiven Besetzung des „Zivilisationsraums Europa“ als politisches Handlungsfeld durch jüdisch-liberale Eliten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Grundannahme lautet, dass urban-jüdische Eliten eine staatsbezogene Integrationsvision liberal-humanitärer Natur jenseits historischer Ost-Westspannungen des Kontinents vertraten und dabei innerhalb eines politisch-kommunikativen Netzwerks die Verwirklichung dieser Vision bei der Erweiterung des Europäischen Staatensystems in Richtung Südosteuropa anstrebten. Als narrativer Betrachtungspunkt meines Projekts wird daher die Entwicklung der sogenannten jüdischen Frage im Verlauf der Staatswerdung Rumäniens im Mittelpunkt stehen, vor deren Hintergrund internationale Verknüpfungen zum jüdischen Internationalismus französischer und österreichischer Provenienz aufgezeigt werden sollen. Als primäre Handlungsorte werden dabei Bukarest, Paris und Wien fungieren. Methodisch soll vor dem Hintergrund historischer Ereignisse eine qualitative Inhaltsanalyse wesentlicher Pressepublikationen ausgewählter Akteure im Zeitraum 1848 bis 1914 erfolgen, anhand derer neben der diskursiven Besetzung historischer und topographischer Schlüsselbegriffe auch Rückschlüsse auf die kommunikative und politische Vernetzung der Akteure möglich gemacht werden. Bestenfalls soll damit ein internationales Interaktionsnetzwerk der Akteure ausfindig gemacht werden, wodurch unter vergleichender Berücksichtigung staatlicher Rahmenbedingungen jüdischer Integration das Wirken der Akteure im transnationalen und nationalen Raum politikhistorisch erklärbar gemacht werden soll. Insgesamt hoffe ich damit einen historiographischen Beitrag zur transnationalen Integrationsgeschichte des Judentums im 19. Jahrhundert leisten zu können.

Dissertationsgebiet: Geschichte

Betreuung: a.o. Univ.-Prof. Mag. Dr. Christoph Augustynowicz, o. Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Schmale

email: andreas.pfuetzner@univie.ac.at

Kevin Potter

Kinopoetics: Migrant Literature in a Politics of Motion

This project aims to produce a conceptual framework through which migrant literature can be effectively analyzed – what I shall call a kinopoetics. The term itself is derived from Thomas Nail’s (2015) concept of ‘kinopolitics’, or a ‘politics of movement’, which suggests that regimes of social motion and circulation have created the social, economic, juridical, and material conditions for national and political formation; and thus the migrant emerges as the primary constitutive figure of social and political history. Kinopoetics is extends the theoretical contours of kinopolitics into the realm of migrant, transnational, and diasporic literature in order to enliven the centrality of the migrant, and to affirm the affects of movement and mobility that diasporic and migrant texts produce. In this sense, kinopoetics emerges as both a method and an object of study; that is, it gives us a conceptual and theoretical lens that (re-)structures how we read and write about migrant literature and, at the same time, demonstrates the affects and poetics of movement embodied in migrant texts. Emphasizing the nature of ‘affects’ in relation to literary texts, I will insist upon the sensible interventions of literary texts, treating them as affective maps of migrant mobility. The ultimate aim and goal of this project is to utilize kinopoetics as a theoretical praxis, concept, and methodology for exploring migrant and transnational literature. Ultimately, too, this project will re-configure the underlying social logic and limited poetics built into our social and political discourse. That is to say that our encounter with migrant and diasporic texts re-shapes and re-configures our embodied and material relations to migrants and migration, thus deterritorializing the limited, static “structures of feeling” that are upheld toward place, movement, home, culture, and identity.

Dissertationsgebiet: Anglistik und Amerikanistik 

Betreuung: Univ. Prof. Dr. Sarah Heinz

email: kevinp65@univie.ac.at

Stefan Probst

Lebenswissenschaftliche Kinematographie zwischen Labor und Populärkultur: Otto Storchs mikrokinematographische Zeitlupenstudien der 1920er und 1930er

Die jüngere Wissenschaftshistoriographie hat sich intensiv mit der Rolle von Bildern in der wissenschaftlichen Wissensproduktion sowie der reichhaltigen visuellen Kultur naturwissenschaftlicher Forschung beschäftigt. Im Zuge dessen rückten auch die komplexen Praktiken der Sichtbarmachung und die spezifische technologische Materialität naturwissenschaftlicher Experimentalanordnungen in den Fokus, ebenso wie die Bildlichkeiten der Wissenschaften im Kontext weiter gefasster visueller Kulturen und ihrer Medientechnologien verortet worden sind. Auffällig ist jedoch, dass Bewegtbilder und kinematographische Medien im visual turn der Wissenschaftsgeschichtsschreibung bislang kaum thematisiert worden sind. Mein Dissertationsprojekt untersucht deshalb die Verschränkungen von kinematographischen Medien, wissenschaftlichem Wissen und Forschungspraxis, sowie die Zirkulation wissenschaftlicher Filmbilder zwischen Labor und Populärkultur anhand einer detaillierten case study aus dem Bereich der lebenswissenschaftlichen Forschung, deren Experimentalisierung sich parallel zum Aufstieg des Kinos vollzog.

Im Zentrum des Projekts stehen die mikrokinematographischen Zeitlupenstudien des österreichischen Zoologen und Volksbildners Otto Storch (1886-1951) aus den 1920er und frühen 1930er Jahren. Am Beispiel Storch soll (1) untersucht werden, wie die Kinematographie in lebenswissenschaftliche Experimentalanordnungen eingespannt wurde, welche epistemologischen Konsequenzen der Einsatz des Films nach sich zog, und welche Überzeugungskraft die Bewegtbilder in der zeitgenössischen fachwissenschaftlichen Debatte hatten; (2) Orte und Netzwerke des Transfers praktischen Wissens im Umgang mit kinematographischen Experimentalanordnungen rekonstruiert; und (3) gefragt werden, mit welchen inhaltlichen wie gestalterischen Übersetzungsleistungen die Zirkulation wissenschaftlicher Filmbilder in Gebrauchskontexte der Lehre und Volksbildung verknüpft gewesen ist.

Dissertationsgebiet: Geschichte

Betreuung: Univ.-Prof.in Dr.in Carola Sachse, Univ.-Prof. DDr. Gerd Müller

email: stefan.probst@univie.ac.at

Elisabeth Reisinger

Archduke Maximilian Franz and Music[ians]
Social Interrelations and Cultural Agencies in Musical Life at Court in late 18th Century

Archduke Maximilian Franz (1756-1801) is not unknown to historiography of music. As Elector of Cologne, he was the employer of the young Ludwig van Beethoven at the electoral court in Bonn. As youngest son of Maria Theresa, he grew up within a family, where practice and perception of music was of social pertinence.

The musicological perspective on Maximilian usually is reduced on highlighting him as an admirer of Mozart and patron of Beethoven. But having a closer look, such remarks often prove inaccurate and superficial. A detailed, differentiated and questioning study on Maximilian’s actual contextualisation in late 18th century musical life has not been done before. This has been the task of my dissertation, which is part of the FWF-funded project “The Operatic Library of Elector Maximilian Franz” (http://www.univie.ac.at/operaticlibrary). The basis for this project has been the preserved parts of the musical library of Maximilian, which originally had contained more than 3 500 music supplies. This collection has to be understood as a result of Maximilian’s cultural background, his understanding of music as well as the nature of his relationships with musicians.

Therefore, a biographical reappraisal of the archduke seemed overdue, especially with regard to his activities in musical life, in Bonn since 1784, but also during his childhood and youth in Vienna. My work focuses on the background of Maximilian’s collection that already existed before 1784, when he was inaugurated as elector, and answers questions on the collection’s genesis, structure and functions. Furthermore, I open a new perspective on Maximilian not as a ruler but in his contextualisation in musical life at and around the Viennese court as well as in his later residence Bonn. This provides the possibility to deal with the connections between Vienna and Bonn, and to correlate these two cities, including ideal and institutional transfers as well as on cultural ones.

Dissertationsgebiet: Musikwissenschaft

Betreuung: Univ.-Prof. Dr. Birgit Lodes

email: elisabeth.reisinger@univie.ac.at

Silvia Salino

Entwicklung der Chinesischen Biographie

Jiang Qing (1914 – 1991), the last wife of Mao Zedong (1893 – 1976) and herself a leading figure of the Chinese Communist Party, remains one of the most controversial and enigmatic figures of the twentieth century, both inside and outside China. After the death of her husband she was considered responsible, together with the other members of the Gang of Four, for the atrocities of the Cultural Revolution. She was subjected to a show trial and imprisoned. In 1991 Jiang Qing committed suicide. Since the 1980s she has become the subject of a wealthy biographical industry, and her image was shaped under the ideological auspices of a changing political system, which has so far been unable to solve its excesses and power struggles. The analysis of Jiang Qing’s biographies, therefore, must always include an assessment of the historical development of the People Republic of China. Beyond the confrontation with one of the leading veterans of the Cultural Revolution and the revision of history, the analysis of her biographical literature involves certain questions of the genre of biography, which are embedded in the established field of life writing, so that apart from biographical and autobiographical, also fictionalized and dramatized life stories can be taken into account. The focus is placed on the narrative strategies used by the various biographers in order to construct their respective portraits of Jiang Qing, and texts written both in China and the West will be compared. In this way, it is possible to observe important testimonies of different conceptions of biographical representations in China and the West, which can lead to a repositioning of conventional theories.

Dissertationsgebiet: Sinologie

Betreuung: Univ.-Prof. Mag. Dr. Susanne Weigelin-Schwiedrzik

email: silvia.salino@univie.ac.at

Anastassiya Schacht

Selbstkonstruktion der sowjetischen Psychiatrie in der Transformationszeit der 1980-1990er Jahre: Praxisnormen, Theorienbildung, internationale Vernetzungen.

Fachleute mit schlechtem Ruf, die sich durch unethische Verstrickung des rein Medizinischen mit der Machtpolitik des Staates diskreditierten – so kennt man im „Westen“ die sowjetische Psychiatrie. Während die Fachcommunity westlich des Eisernen Vorhangs auf Konfrontation und generelles Misstrauen ausgerichtet war, weigerten sich ihre russischsprachigen Kollegen, sich mit den unbequemen Fragen seitens der ideologischen „Feinde“, ja scheinbar mit den Gründen dieser Feindschaft an sich auseinanderzusetzen. Als auf das kurze Aufblühen der internationalen Kontakte  in den späten 1980er und frühen 1990er in der ehemaligen Union bittere Wirtschaftskrise folgte, verlor die erst angefangene Aufarbeitung der eigenen Fachgeschichte graduell an Reiz und verstummte schließlich.

Das Projekt erzielt die systematische Forschung sowjetischer Psychiater als einer komplexen dynamischen beruflichen Ganzheit im Kontext der systemischen Transformation der Gesellschaft und des Staates, denen sie zugehörten. Zum Vorschein sollen dabei die wenig erforschten Aspekte der soziokulturellen, sprachlichen, ethnischen Zusammensetzung der Fachcommunity gelangen, ebenso die intellektuelle, ideologische und wirtschaftliche Stellung dieser in Bezug auf die breitere sowjetische Gesellschaft und Macht. Es ist auch der Bezug zum Phänomen der psychischen Erkrankung und zu der zu heilenden Person, ethische und praktische Routinen des psychiatrischen Alltags. Ein weiterer Aspekt dabei ist die Dichte der fachlichen Kontakte ins nicht-kommunistische Ausland, vor, während und nach der Perestroika, bzw. Zerfall der Union. Mittels u.a. auch sprach- und literaturwissenschaftlicher Methoden versucht das Projekt also eine Berufsgruppe in ihrer heterogenen Komplexität im zeitgeschichtlichen Setting zu erforschen.

Dissertationsgebiet: Geschichte

Betreuung: Univ.-Prof. Dr. Peter Becker

email: anastassiya.schacht@univie.ac.at

Michaela Scharf

Soziale und ästhetische Praktiken der Subjektivierung im österreichischen Amateurfilm der 1920er- bis 1980er-Jahre

Das projektierte Dissertationsvorhaben untersucht soziale und ästhetische Praktiken der Subjektivierung im österreichischen Amateurfilm der 1920er- bis 1980er-Jahre. Im Zentrum der Analyse stehen innovative Fragen nach der Subjektherstellung mit Blick auf Praktiken des Sehens bzw. des Sich-zu-Sehen-Gebens in Abhängigkeit von den spezifisch technologischen Bedingungen des analogen Amateurfilms. Die Produktion eines Amateurfilms soll in Anlehnung an Michel Foucaults Konzept der „Technologien des Selbst“ als eine Praxis der Subjektkonstitution verstanden werden. Als eine Praxis, durch die sich sowohl der/die Filmende als auch der/die Gefilmte selbstreflexiv herstellt und ein spezifisches Selbstverstehen ausbildet. Das Dissertationsprojekt begreift Amateurfilme demnach als subjektgeschichtliche Quellen, in denen sich Praktiken der Subjektivierung nachvollziehen lassen, und rückt diese ins Zentrum einer sozial- sowie kulturhistorischen Analyse von Subjektformen innerhalb der Moderne. Es verknüpft film- und diskursanalytische mit praxeologischen Forschungsansätzen, um jene unterschiedlichen, potentiell auch einander widersprechenden Subjektpositionen zu dechiffrieren, die das Dispositiv des Amateurfilms – als historisch spezifische Praxis-, Diskurs- und Artefaktkonstellation – hervorbringt. Das Dissertationsvorhaben verfolgt sowohl eine Analyse der filmisch vermittelten sozialen Praktiken, einschließlich der körperlichen Verhaltensweisen und Kommunikationsformen, als auch eine Diskursanalyse von deutschsprachigen, in den 1920er- bis 1980er-Jahren erschienenen Amateurfilmzeitschriften und -ratgebern, um die darin repräsentierten Subjektformen und Ideale des Subjekts freizulegen. Die systematische Beschäftigung mit bislang unerforschtem Filmmaterial und Amateurfilmzeitschriften verspricht einen ersten Einblick in diskursive sowie visuelle Subjektcodes im Amateurfilmschaffen und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der visuellen Kultur der Moderne.

Dissertationsgebiet: Geschichte

Betreuung: Univ.-Prof. Dr. Franz Eder, PD PD Dr. phil. Julia Barbara Köhne

email: michaela.scharf@univie.ac.at

Bianca Schumann

"Brillante, neben einander gesetzte Farben sind noch lange kein Gemälde." Die Rezeptionsgeschichte symphonischer Programmmusik in Wien zwischen 1855 und 1900

Das Dissertationsvorhaben setzt sich mit der Rezeptionsgeschichte symphonischer Musik auseinander, die zwischen 1855 und 1900 von der Wiener Musikkritik als 'programmatisch' ausgewiesen wurde. Ziel der Doktorarbeit ist es, den ästhetischen Diskurs über programmatische Symphonik, der sich in Wien zwischen Anhängern der Gehalts- und Formästhetik entwickelte, rezeptionsgeschichtlich aufzuarbeiten und zu dokumentieren. Die bislang ästhetisch, wie auch historisch nicht zulänglich aufgearbeiteten Gattungen der programmatischen Symphonie und der symphonischen Dichtung werden hierbei im Fokus der Betrachtungen stehen. Die statistische Erfassung und Auswertung jenes Konzertrepertoires, das im untersuchten Zeitraum als programmatisch präsentiert oder wahrgenommen wurde, liefert die Basis für eine Aufarbeitung der Gattungsgeschichte unter einem ästhetischen Blickwinkel. Da die Untersuchung dezidiert von der Perspektive der Rezensenten ausgeht, wird die Sichtbarmachung und Deutung unterschwellig wirkender Gattungskonzeptionen und Ideologien, welche einzelne Rezensenten und damit die gesamte Diskussionen richtungsangebend beeinflussten, ebenso von zentralem Interesse sein. Das Dissertationsvorhaben greift neueste Forschungserkenntnisse nationaler und internationaler Forschungsprojekte, die sich mit engst verwandten Themenbereichen beschäftigen, auf und macht diese zugleich für noch nicht beantwortete, im Rahmen meines Dissertationsvorhabens erstmalig gestellte Forschungsfragen fruchtbar. Weil für die Realisierung des Forschungsvorhabens ferner viele verschiedene Quellentypen zu sichten nötig sein werden, die teilweise von der Forschung bislang gänzlich unbeachtet geblieben sind oder nie im hier erforschten musikhistorischen Rahmen ausgewertet wurden, schließt das Dissertationsvorhaben eine Forschungslücke, die gegenwärtig in der gattungsästhetischen Aufarbeitung der Musikgeschichte Wiens des 19. Jahrhunderts klafft.

Promotionsfach: Musikwissenschaft

Betreuung: Univ.-Prof. Dr. Michele Calella

email: bianca.schumann@univie.ac.at

Dominique Sundt

Speisen und Macht: Zum Machtverhältnis von Kirche und Staat in russischen Kochbüchern aus dem 19. und 20. Jahrhundert

Das Forschungsvorhaben behandelt die gesellschaftliche Bedeutung und Funktion von russischen Kochbüchern des 19. und 20. Jahrhunderts. Ziel ist es, mit Hilfe einer pragmatisch- funktionalstilistischen Untersuchung aufzuzeigen, wie sich Machtverhältnisse von kirchlichen und staatlichen Institutionen wiederspiegeln und wie nationale Identität konstruiert und vermittelt wird. Dabei werden Textstil und Semiotik in den verschiedenen Auflagen der beiden Werke Podorok molodym xozjajkam (Geschenk für junge Hausfrauen, Erstausgabe 1861) und Kniga o vkusnoj i zdorovoj pišče (Das Buch vom schmackhaften und gesunden Essen, Erstausgabe 1939) erfasst und miteinander verglichen. Die Analyse erfolgt auf den Ebenen der semantisch-syntaktischen Textstruktur, der rhetorischen Struktur und der Bild-Text-Verknüpfung als stilistische Ebene. Den theoretischen Rahmen bilden textfunktionale Zugänge sowie Konzepte zu kultureller und nationaler Identität und Ideologie. Eine wichtige Rolle spielt hier Essen als Kulturphänomen und seine Bedeutung für kulturelle Identität (Essen als identitätsstiftendes Merkmal).

Der Schwerpunkt liegt auf den konkreten Inhalten, wobei hier zwischen den Kochrezepten, den Begleittexten (wie Einleitungen, Kommentare, Glossar etc.) und den Illustrationen unterschieden werden muss. Ebenso ist die konzeptionelle Gestaltung der Kochbücher als Gesamtwerk von Interesse sowie die Umstände ihrer Entstehung. Anknüpfungspunkte dazu bietet die schon bestehende Forschung, wobei russische Kochbücher im Gegensatz zu europäischen bis dato relativ unbehandelt blieben. Vorangegangene Studien haben bereits gezeigt, dass die Inhalte und kommunikativen Bezüge von Kochbüchern weit über die Vermittlung von Fachwissen und reiner Handlungsanleitung hinausgehen. Es ist anzunehmen, dass das geänderte Machtverhältnis von Kirche und Staat, die wirtschaftliche Versorgungslage und spezielle räumliche Gegebenheiten ebenso ihren Niederschlag in den Kochbüchern fanden wie technische Neuerungen, rationalisiertes Zeitmanagement für Haushaltsbelange und veränderte Ansätze zu den klassischen Rollenbildern der Frau und dem Stellenwert der Familie.

Dissertationsgebiet: Slawistik

Betreuung: Univ.-Prof. Mag. Dr. Anna Kretschmer (Universität Wien); ao.Univ.-Prof. Dr. Edgar Hoffmann (WU Wien)

email: dominique.sundt@univie.ac.at

Silvia Tammaro

Das Theatrum Sabaudiae und der künstlerische und kulturelle Austausch zwischen Turin und Wien (1660-1740)

Das „Theatrum Sabaudiae“ (1682) ist eine illustrierte Publikation, die die Territorien des Herzogtums Savoyen beschreibt. Detailreiche Kupferstiche stellen die Städte sowie die Paläste, die Kirchen und die Lustschlösser Savoyens dar. Diese Stiche werden von einem panegyrischen Text mit der Geschichte der Savoyer und ihres Herzogtums begleitet. Text und Bilder sind ein prächtiges sowie überzeugendes Mittel der Selbstdarstellung des Herzogs, seiner Politik und seiner Besitztümer: In der labilen politischen Konstellation Europas am Ende des 17. Jahrhunderts diente das „Theatrum“ einer klaren und notwendigen Legitimation der Macht der Savoyer. Das „Theatrum Sabaudiae“ war vor allem als repräsentatives Geschenk gedacht und wurde an verschiedene Höfe verschenkt.  Im Rahmen meiner Dissertation soll die Entstehungsgeschichte des „Theatrum Sabaudiae“ rekonstruiert werden, eine detaillierte Bild-Text-Analyse des „Theatrum“ erfolgen und schließlich soll seine Rezeption in der kaiserlichen Residenzhauptstadt Wien untersucht werden. Durch die Analyse dieser Publikation soll ein wichtiger Beitrag zum Verständnis des künstlerischen, kulturellen sowie politischen Austauschs zwischen Turin und Wien im Zeitraum von 1660-1740 geleistet werden.

Dissertationsgebiet: Kunstgeschichte

Betreuung: Univ.-Prof. Dr. Sebastian Schütze

email: silvia.tammaro@univie.ac.at

Laura Tezarek

Andreas Okopenkos literarische Netzwerke (1950–1953)

Der österreichische Schriftsteller Andreas Okopenko (1930–2010) stand in den Jahren 1950 bis 1953 im Zentrum zweier literarischer Netzwerke. Im Redaktionsteam der Zeitschrift Neue Wege (1950–1951) und als Herausgeber der publikationen einer wiener gruppe junger autoren (1951–1953) versammelte er wichtige junge ProtagonistInnen der progressiven Nachkriegsliteratur um sich: H. C. Artmann, Friederike Mayröcker, Ernst Jandl, René Altmann, Gerhard Fritsch, Hertha Kräftner, Jeannie Ebner und andere. Obwohl er als „Pionier der österreichischen Avantgarde“ eine zentrale Figur im Wiener Literaturbetrieb darstellte, wurde seine Rolle hierin bisher kaum untersucht. In dieser Dissertation wird nach den zugrundeliegenden zeithistorischen und literaturgeschichtlichen Voraussetzungen und Produktionsbedingungen dieser Netzwerke rund um Okopenko gefragt, die im kulturpolitisch konservativen Klima der Nachkriegszeit in Österreich entstanden: Aufgrund welcher Gemeinsamkeiten und Anliegen konstituierten sie sich, welche Allianzen wurden gesucht? Wie äußerte sich der Aufbruch, der hier beschworen wurde, in literarischen Texten, die in den beiden Zeitschriften publiziert wurden? Was war das literarisch Innovative, nach dem man suchte? Die Debatten über gemeinsame Lektüre, literarische Anknüpfungspunkte, Positionierungen zwischen Bruch und Kontinuität, Brecht und Benn, Fragen nach gesellschaftspolitischer Wirksamkeit, der (Un-)Zuverlässigkeit von Sprache und insbesondere Okopenkos Position darin sollen – einerseits anhand von publizierten Texten, andererseits anhand von Nachlassmaterialien, wie Okopenkos Tagebüchern – rekonstruiert und analysiert werden. Das Erkenntnisinteresse dieser Arbeit besteht somit darin, die Forschungs­­lücke zu Okopenkos Rolle in der Entstehung und Vernetzung der frühen öster­reichischen Progressivliteratur zu schließen und damit einen literaturhistorisch ausdifferenzierten Blick jenseits bekannter Namen und Dichotomien von radikaler Avantgarde auf der einen und auf Tradition bedachter Literatur auf der anderen Seite auf die österreichische Nachkriegsliteratur der ersten Hälfte der 1950er Jahre zu gewinnen.

Dissertationsgebiet: Deutsche Philologie

Betreuung: Univ.-Prof. Dr. Roland Innerhofer

email: laura.tezarek@univie.ac.at

Eugenie Maria Theuer

Through the Looking Screen. The Metareferential Turn in Contemporary Cinema.

My doctoral research project deals with the metareferential turn in contemporary cinema. Metareferences are by no means a new phenomenon in the history of cinema. They can, in fact, be traced as far back as to the early years of cinema at the turn of the twentieth century. However, contemporary cinema has been marked by a proliferation of films flaunting their own nature as fictional constructs and reflecting on some aspects related to the medium of film and the institution of cinema.

The research project aims at identifying the ideas and concerns that have given rise to this recent tendency whereby metareferences, once marginalised as a stylistic feature of individual directors or particular artistic movements, have become established as a dominant form in cinema. It advances the hypothesis that the turn can be traced to a perceived crisis of the medium in the wake of the digital revolution, which has elicited a variety of metareferential responses, ranging from metafilms addressing the threat posed by digital technologies to films proposing a reinvention of cinema.

The analysis of the metareferential turn in contemporary cinema is framed throughout by postmodern theory, which provides a suitable perspective to explore the turn as being driven by cinema’s sense of fragmentation. Methodologically, the research project is located at the intersection of Cultural Studies and Art History, considering contemporary metacinema both as a phenomenon of popular culture encoded with meanings and values and as a body of artistic works that must be understood from an historical perspective. The thesis thus adopts an interdisciplinary approach combining methodological tools from both disciplines, which will allow for a more complex and pluralistic understanding of the issue under investigation.

Dissertationsgebiet: English and American Studies / Kunstgeschichte

Betreuung: Ao. Univ.-Prof. Dr. Monika Seidl

email: eugenie.theuer@univie.ac.at

Hannah Tischmann

Literary Time Practices and Social Inequality – An Analysis of Selected Works of Socially Engaged Swedish Literature of the 1970s and since 2000

Die Konstituierung des Subjekts ist eng mit Zeitwahrnehmungen und zeitlichen Rahmen verknüpft, die wiederum durch soziale Umstände bestimmt werden. Wie das Individuum mit temporalen Strukturen umgeht und inwieweit es durch diese beeinflusst wird, ist daher durch seine gesellschaftliche Positionierung beeinflusst. In dieser Arbeit soll das subjektiv oder kollektiv zur Geltung kommende gesellschaftlich bedingte Zeitregime in textlichen Verhandlungen untersucht, sozialhistorisch kontextualisiert und aus einer machtkritischen Perspektive betrachtet werden. Anhand von kulturwissenschaftlich und soziologisch orientierten Analysen schwedischsprachiger Arbeiterliteratur aus den 1970er und 2000er bzw. 2010er Jahren soll gezeigt werden, wie die Repräsentation und Darstellung temporaler Strukturen und die fiktionale Verhandlung sozialer Ungleichheit ineinander greifen. Dazu werden sowohl die erzähltechnische Organisation als auch die Verfahren der literarischen Zeitlichkeit auf die Zeitpraktiken bezogen, die die dargestellten Figuren oder Erzählinstanzen zum Ausdruck bringen. Der Begriff der Zeitpraktiken unterstreicht dabei die Dynamik und Prozesshaftigkeit, die temporalen Konstrukten zugrunde liegt.

In Anlehnung an Sarah Sharmas soziologisch-kulturwissenschaftliche Methode der power-chronography entwickelt die Arbeit eine auf die Literaturwissenschaft übertragene literary power-chronography, die es ermöglicht, die in Form von literarischen Zeitpraktiken temporal ausgedrückten gesellschaftlichen Machtbeziehungen zu identifizieren. In Bezug auf die literarische Verhandlung sozialer Ungleichheit werden somit erzähltechnische und gesellschaftspolitische Koordinaten aufgezeigt, die in der bisherigen Forschung trotz des interdisziplinären Interesses an selbst- oder fremdbestimmten Individuen und trotz der gesellschaftlichen Relevanz kaum beachtet worden sind.

Dissertationsgebiet: Skandinavistik

Betreuung: Univ.-Prof. Dr. Antje Wischmann

email: hannah.tischmann@univie.ac.at

Stefan Turmalin

Nationalsozialistische Museumspolitik in Österreich und ihr institutioneller Transfer in die Zweite Republik. Ideen, Programme und Maßnahmen.

Das Dissertationsprojekt untersucht am Beispiel der Museen den ideellen, personellen und institutionellen Transfer nationalsozialistischer Kulturpolitik in die Zweite Republik. Für dieses Forschungsvorhaben ist ein interdisziplinärer Zugang unter zeit- und sozialgeschichtlichen Gesichtspunkten notwendig. Als Methoden kommen die Historische Methode nach Rüsen/Jaeger sowie die Historische Netzwerk- und die Diskursanalyse zur Anwendung. Den Quellen wird mit einer hermeneutischen Forschungsstrategie begegnet. Die Untersuchungsmaterialien befinden sich zum überwiegenden Teil in Archiven in Österreich und Deutschland. Es sollen die staatlichen Stellen und ihre ReferntInnen während der NS-Zeit dargestellt werden sowie die Ideen Programme und Maßnahmen dieser Stellen im Bereich der Museumspolitik. Dabei wird nach der Herkunft und der Funktion dieser Pläne gefragt. Bis herauf in die Gegenwart werden institutionelle Veränderungen im Museumsbereich während der NS-Zeit bewusst oder unbewusst verdrängt. Diese Erkenntnis resultiert aus geleisteten Vorstudien. Bisherige Forschungen zur NS-Kulturpolitik betrachteten vordergründig den ideellen Transfer durch die "alt-österreichische Hochkulturoffensive" der NS-Stellen in Wien zwischen 1940 und 1945. Jedoch war diese Kulturoffensive bereits ab der Machtergreifung des NS-Regimes im Bereich der Museumspolitik auszumachen. Darüber hinaus gab es im staatlichen sowie im Museumsbereich auch einen personellen Transfer, der die Aufarbeitung nach dem NS-Regime verzögerte oder verunmöglichte. Die Dissertation ist ein wertvoller Beitrag für die Provenienzforschung und für die Geschichte der österreichischen Museen.

Dissertationsgebiet: Geschichte

Betreuung: Univ.-Prof. Mag. DDr. Oliver Rathkolb

Maren Waffenschmid

Die Funktion des institutionalisierten Kulturmediums Museum heute.
Eine Untersuchung analoger im Vergleich zu digitaler Wissenskonstruktion, ‐präsentation und ‐speicherung

"Das Museum" hat trotz Modernisierungsversuchen eines flächendeckenden Einsatzes digitaler Medien ein verstaubtes, rückschrittliches Image. Doch stellt sich die Frage ob gerade durch diese Entwicklungsanstöße und -eingriffe sich die Funktion des Museumsalltags verändert. Der Wandel von Museumsgrundtätigkeiten - Sammeln, Bewahren, Forschen, Präsentieren und Vermitteln - ist Untersuchungsgegenstand dieser Forschungsarbeit. Die Hypothese jedoch lautet "Museen haben ihre Funktion in der Gesellschaft durch den Einsatz digitaler Medien nicht verloren, können jedoch das Erleben der dem Museum inhärenten Ort-Zeit-Variabilität intensivieren." Ziel ist über eine Bestandsaufnahme und Bestimmung der Einsatzgebiete von digitalen / analogen Medien die Prozesse von Museen zu beschreiben und deren besondere Funktionen und Wirkungsmechanismen zu erfassen.

Zu diesem Zweck wird auf Grundlage musealen Feldforschungsreisen eine Auswahl an Fallbeispielen gewählt. Diese stammen aus allen museumsspezifischen Funktionsbereichen und unterstreichen die Veränderung des Arbeits- und Präsentationsalltags der Museumswelt durch digitalen Medieneinsatz. Die Anteilnahme dieser Wissensredaktion an einer digitalisierten Gesellschaft und deren Wissensproduktionsausprägungen sowie mögliche Narrativitätsveränderungen und neue Material-Objekt-Aura-Diskurse werden im Sonderfall Museumsraum auf Postdigitalität überprüft.

Dissertationsgebiet: Theater-, Film- und Medienwissenschaft

Betreuung: Univ.-Prof. Dr. Christian Schulte

email: maren.waffenschmid@univie.ac.at

Thomas Walach

Paläoinformatik. Eine historische Grundlagenwissenschaft für die Digital Humanities

In den ersten Jahrzehnten der Digitalisierung schien sich kaum jemand, auch die unmittelbar an der Entwicklung neuer Technologien beteiligten Akteure der Bedeutung des eingeleiteten kulturellen Wandels bewusst gewesen zu sein. Folglich wurden kaum Anstrengungen zur systematischen Untersuchung dieser Entwicklung unternommen. Frühe Computertechnologie ist selbst nach menschlichen Maßstäben alt geworden – genau wie ihre Entwickler und ersten Anwender. Es steht zu befürchten, dass in wenigen Jahrzehnten viele Erinnerungen über die Anfänge der Digitalisierung verloren sein werden. Dieser Gefahr könnte durch umfassende und systematische Forschungsanstrengungen entgegengewirkt werden. Analog zur Paläographie und anderen historischen Grundlagenwissenschaften müssen die Humanities Theorien und Methoden einer Paläoinformatik etablieren, die als interdisziplinäres Forschungsfeld in der Lage wäre, technische Grundlagen sowie kulturelle Dimensionen der Digitalisierung zu erfassen, zu speichern und zu untersuchen.

Mein Dissertationsvorhaben zielt darauf ab, erstens Möglichkeiten und Bedingungen der Paläoinformatik zu umreißen und zweitens im Rahmen eines proof of concept die Digitalisierung universitärer Lehre an der historisch-kulturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien mit Hilfe von Artefaktanalysen und Oral History zu untersuchen. An der Schnittstelle von Wissenschaft, Lehre und universitärer Verwaltung kann es gelingen, die Historizität des Digitalisierungsprozesses selbst zu erfassen und selbstreflexiv auf den Umgang der Wissenschaft mit Digitalisierung zu schauen - nicht zuletzt, um aus bisherigen Versäumnissen zu lernen und endlich die kulturelle Dimension eines Wandels in den Blick zu nehmen, dessen Untersuchung ein so drängendes Desiderat für die Humanities darstellt.

Dissertationsgebiet: Geschichte

Betreuung: Univ.-Prof. Dr. Stefan Zahlmann, M.A.

email: thomas.walach@univie.ac.at

Jelle Wassenaar

Solidarity in times of crisis. Bishops and the ties that bind in tenth-century Northern Italy

In the years 887-888, the Carolingian Emperor Charles ‘the Fat’ was first deposed and then died, resulting in the definitive breakup of the Carolingian Empire. This was a momentous event: the Carolingian dynasty lost its monopoly on regnal power, and the Frankish imperium which had bound a great number disparate communities and peoples in the previous century was no more. The former Carolingian territories entered a time of political and ideological crisis, in which new forms of belonging and solidarity had to be found, and older variants of social cohesion reinvented. In the East Frankish Kingdom and Italy a true return of confidence in a dynastically defined political centre would only come some seventy years later, with the re-establishment of imperium under Otto I.

This crisis of belonging offered new opportunities to bishops, who became increasingly important actors in providing new ideologies of solidarity. My dissertation focuses on three such bishops, all mainly active in the Kingdom of Italy: Atto of Vercelli (885-961), Rather of Verona (887/890-974), and Liudprand of Cremona (c. 920‑972). By virtue of their scholarly training, these three ambitious clerics had access to a rich storehouse of sources for social cohesion. They sought to reconcile the solidary groups of the idealised, imagined past with the patronage, political division, and social inequality that they saw in their tenth-century present. In doing so, bishops were able to provide forms of social cohesion largely independent from the royal court, while they also used ideals of solidarity in more court-connected efforts of binding local communities to new transregional elites.

Dissertationsgebiet: Geschichte

Betreuung: Priv.-Doz. Dr. Maximilian Diesenberger

Christian Wimplinger

Kooperatives Schreiben heißt Übersetzen. Gemeinsame Textproduktion bei Oskar Negt und Alexander Kluge

Das Erkenntnisinteresse des Dissertationsprojektes besteht darin, die kooperative Variante der Tätigkeit „Schreiben“, ihre geschichtlichen Voraussetzungen, theoretischen Ansätze und technischen Verfahren, aber auch ihre Schwierigkeiten und Widerstände anhand der konkreten Schreib-Konstellation Negt/Kluge zu untersuchen. Die Fragestellung umschließt einen genealogischen Aspekt, insofern sie in den Texten thematisierte Interferenzen fokussiert, die zwischen dem traditionellen monologischen Habitus des Schreibens und seiner kooperativen Variante bestehen. In einer arbeitsorganisatorischen Analyse des Schreibprozesses steht des Weiteren das Konzept der kulturellen Übersetzung im Mittelpunkt: Kooperatives Schreiben wird als Übersetzung mündlichen Ausdrucks in Schrift verstanden, wobei besondere Aufmerksamkeit der Figur des Dritten zukommt, anhand derer zugleich Differenzen markiert und Zusammenhang hergestellt wird. Der zeithistorisch und erkenntnistheoretisch motivierte Vorrang des Mündlichen in kooperativen Schreibprozessen resultiert bei Negt und Kluge in „konstellativen Darstellungen“, die Texte der kleinen Form in einen mehrdimensionalen Raum übersetzt und dadurch mobil macht.

Dissertationsgebiet: Deutsche Philologie

Betreuung: Univ.-Prof. Dr. Annegret Pelz

email: christian.wimplinger@univie.ac.at

Hanna Lucia Worliczek

Visual Evidence and Image Circulation – A History of the Argumentative Use of Fluorescence Microscopy Images in Cell Biology Research, 1970-1995

The phrase ‘seeing is believing’ properly underlines the importance of images in cell biology as a central piece of evidence and a research result essential for acquiring knowledge. Accordingly, microscopic images have become essential elements of publications in ultra-structural research since the 1950s, and are today regarded as ’data’. In the second half of the 20th century, the two principal imaging methods in cell biology research were fluorescence microscopy and electron microscopy. The latter was often referred to as a ‘gold standard’ and described as ’closer to nature‘ than other techniques. In contrast to light microscopy, it uses accelerated electrons as a source of illumination with a resolution limit below 1 nm. Although the first electron microscope was developed in 1932, it was not until 1950 that it became a standard technique, following the development of optimized preparation procedures for the objects of interest. Fluorescence microscopy on the other hand has – depending on the technique used – a resolution limit of 5-200 nm, making it possible to identify particular subcellular structures using specific fluorescent antibodies, which were developed in 1941, or – today – fluorescent proteins expressed by the cells under investigation. It was not until the 1970s that the combination of microscope and antibodies was applied to cell biological research, allowing the identification of the protein composition of subcellular structures in images for the first time. Both methods were used to produce visual evidence, and the images were presented as arguments in scientific publications. My project aims to reconstruct how the combination of fluorescence microscopy and antibodies constituted a new kind of visual knowledge (Bilderwissen) and interpretative practices within the field of cell biology, in competition with or complementary to the already established use of electron microscopy, as well as the development of publication practices and the circulation of this new kind of visual knowledge between 1970-1995.

Kollegiatin des DK „Naturwissenschaften im historischen, philosophischen und kulturellen Kontext“

Dissertationsgebiet: Geschichte / Wissenschaftsgeschichte

Betreuung: Univ.- Prof.in Dr.in Carola Sachse, Univ.-Prof. DDr. Gerd Müller

email: hanna.worliczek@univie.ac.at

Hong Wu

A re-examination of the early Buddhist sculptures in Japan

My project focuses on the Buddhist visual culture of the 6th and 7th century in Japan. This is a particularly important period in the Japanese history, as it involved a series of political, social and technological changes that shaped the early Japanese society. Buddhism, introduced into Japan immediately preceding these transformations, is recorded to have brought with it the advanced culture from China and considered to be the chief catalyst to the changes following its introduction. Moreover, Buddhist artifacts are one of the few materials in Japan that allow precise dating and can yield a clear chronology to be compared and contrasted with the Chinese and Korean chronologies. Such comparisons are key to understand this particularly turbulent but significant period, especially in view of the questionable credibility of the early historical records in Japan. 

The discussion on the Buddhist art in Japan for the 6th and 7th century Japan was mainly held in the last century. However, there have been many archaeological discoveries in China, Korea and Japan since then, yielding a plethora of new materials for examination. In my research I hope to re-examine the development of Buddhist art in the 6th and 7th century in Japan in view of these newly excavated materials, and will attempt to contribute to a better understanding of the shaping of the early Japanese society and its cultural communications in the 6th and 7th century in East Asia.

Dissertationsgebiet: Kunstgeschichte

Betreuung: Univ.Prof. Dr. Lukas Nickel

email: hong.wu@univie.ac.at